Average White Band
Biografie
The Average White Band, Ende 1971 in London gegründet, war zunächst alles andere als ein "durchschnittliches weißes Orchester": Keine andere weiße Formation hat Stil und Stimmfarben des schwarzen Soulklangs derart vollkommen assimiliert, ohne Vorbilder direkt zu kopieren. Mehr noch als die einzig vergleichbaren Rare Earth bestach die AWB, deren Falsetto-Vocals allenfalls manchmal an die alten Temptations mit Eddie Kendricks und David Ruffin erinnerten, durch hohe kompositorische und interpretatorische Originalität. Onnie McIntyre (geb. 25. 9. 1945, g, voc), Hamish Stuart (geb. 8. 10. 1949, voc, g, bg), Alan Gorrie (geb. 19. 7. 1946, voc, bg), Malcolm Duncan (geb. 24. 8. 1946, ts), Roger Ball (geb. 4. 6. 1944, as, kb), Robbie McIntosh (geb. 1950, dr), die sämtlich aus Schottland stammten, hatten zuvor in anderen Bands wie Forever More, Crocodile, Mogul Trash oder Brian Augers Oblivion Express gespielt sowie US-Soul-Solisten bei England-Tourneen begleitet. Ihr gemeinsames London-Debüt gaben sie im Januar 1973 bei Eric Claptons Rainbow Concert. Claptons Freundin Bonnie Bramlett holte sie anschließend zur Produktion ihres Albums Sweet Bonnie Bramlett nach Los Angeles; auf dem Cover waren sie allerdings ebenso wenig genannt wie Bonnies zweite Studio-Begleitband Little Feat.
Das Potenzial der Average White Band erkannte sogar eine so Soul-unerfahrene Firma wie die Music Corporation of America, die 1973 die AWB-Start-LP Show Your Hand herausbrachte. Danach fanden die Musiker in Atlantic die ihrem Stil adäquate Company und in Arif Mardin, der auch schon Aretha Franklin im Studio betreut hatte, einen erfahrenen Produzenten. Er ordnete die Stücke für den Atlantic-Einstand so, "dass die erste Plattenseite starke rhythmische Energie ausstrahlt, während auf der zweiten eine bittersüße, romantische Intensität vorherrscht" ("Rolling Stone"). Am 23. September 1974, nachdem die Band im Troubadour von Los Angeles bis zur Erschöpfung musiziert hatte, wurde auf einer Party mit Strychnin verschnittenes Heroin gereicht. Drummer Robbie McIntosh, als Tequilatrinker kaum drogenerfahren, starb daran. Dealer Kenneth Moss, der vorgab, von der tödlichen Mischung nichts gewusst zu haben, verbrachte weniger als drei Monate in Haft. Anfang 1975 stand das Atlantic-Album auf Platz eins der US-Soul-Charts und hoch in den Hitlisten für Popmusik.
Im Mai 1975 schob die Band, mit Steve Ferrone (dr), die zweite von Arif Mardin betreute LP nach – in Erinnerung an "our friend and brother Robbie McIntosh". Dieses Album Cut The Cake markierte ihren künstlerischen Höhepunkt, brachte mit dem Song Pick Up The Pieces einen veritablen Charts-Hit hervor und öffnete ihr die schwarzen Ghettos. Das Live-Doppelalbum Person To Person (1976) erreichte Platz 28 in den US-Charts. Im Sommer 1977 holten sie sich für die LP Benny And Us den Soul-Interpreten Ben E. King ins Studio. Doch die gleiche Routine, die die Band bis 1980 regelmäßig ein Album pro Jahr absondern ließ, färbte bald auch ihre Musik. Rezensenten erschien das Ensemble schließlich nur noch als eine "gut geölte Maschine".
Nach der erfolgreichen, vom Produzenten David Foster in Los Angeles aufgenommenen RCA-LP Shine, dem mit vier vordem unveröffentlichten Titeln halbherzig edierten Atlantic-Best-of-Nachzügler Volume VIII sowie der total fehlgeschlagenen Arista-Produktion Cupid’s In Fashion kam die Maschine 1982 zum Stillstand. Die Bandmitglieder überdauerten die Achtziger als Studiomusiker oder als Sidemen in diversen Bands. 1989 reformierten Gorrie, Ball und McIntyre die Average White Band für das Polydor-Album Aftershock, 1992 stieß auch Stuart wieder dazu, der jahrelang bei Paul McCartney sein Auskommen gefunden hatte. Während der Neunziger war die Gruppe mehrfach auf US-Tourneen zu hören, zumeist im Paket mit Graham Central Station und/oder War. Einmal jährlich residierten sie regelmäßig im Londoner Jazz Café und nahmen in der Besetzung Gorrie, McIntyre, Ball plus Elliott Lewis (kb) und Pete Abbott (dr) gegen Ende des Jahrzehnts auch wieder Platten auf: Soul Tattoo (1997), Face To Face Live (1999), Living In Colour (2003).
Ihre Hits aus den Siebzigern wurden inzwischen von Pop- und HipHop-Artisten gesamplet. Hamish Stuart begann mit dem Album Sooner Or Later (2000) auf Compass Records und einer eigenen Band noch einmal eine Solokarriere. 2004 unternahmen die AWB, Michael McDonald und Hall & Oates als Rock ’n’ Soul Revue eine Europatournee. Die Average White Band bestand dabei aus Gorrie, McIntyre, Ball, Lewis, Klyde Jones (voc), Freddy Vigdor (sax), Brian Dunne (dr). Einen Höhepunkt ihrer Bandkarriere enthielt die DVD Live At Montreux 1977 (2005).
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs:
Show Your Hand (1973)
Put It Where You Want It (1974)
Average White Band (1974)
Cut The Cake (1975)
Soul Searchin’ (1976)
Person To Person (1976)
Benny And Us (1977 mit Ben E. King)
Warmer Communications (1978)
Feel No Fret (1979)
Volume VIII (1980)
Shine (1980)
Cupid’s In Fashion (1982)
Aftershock (1989)
Soul Tattoo (1997)
Face To Face Live (1999)
Living In Colour (2003)
Zusammenstellungen (Auswahl):
The Average White Band (1992)
Greatest And Latest (2005)
LP Alan Gorrie:
Sleepless Nights (1985)
LPs Hamish Stuart:
Sooner Or Later (2000)
Real Live (2001)
Let It Snow (2003)

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