Alabama 3
Biografie
Alabama 3 , 1989 in Brixton, England, gegründet, fanden eine derart organische Mischung von Acid House und Country Music, dass die eine Komponente ohne die andere kaum denkbar war. In den USA firmierte die Band nur unter dem Namen A3, weil sie dort einen von der Country-Formation Alabama angestrengten Prozess verloren hatte. Obgleich sie ihre Bekanntheit in erster Linie dem Song Woke Up This Morning verdankten, der als Eingangsmelodie für die international erfolgreiche TV-Serie "The Sopranos" erkoren wur-de, bestand ihre eigentliche Bedeutung darin, dass sie Country Music mittels elektronischer Pointierung europäisierten, ohne ihr die uramerikanische Essenz zu nehmen.
Die Anfänge von Alabama 3 liegen im Dunkeln. Glaubt man der offiziellen Darstellung der Band – die es allerdings liebte, ihre Annalen mit nebulösen Legenden zu verschleiern –, so haben sich drei Gründungsmitglieder der Gruppe 1989 während eines Drogenentzugs in London kennen gelernt. Der authentische Südstaatenakzent der beiden Sänger Rob Spragg (Larry Love) und Jake Black (The Very Reverend Dr. D. Wayne Love) suggerierte einigen Ahnenforschern den Verdacht, dass sie sich selbigen schwerlich in England zugelegt haben können. Womöglich lagen die Wurzeln der Alabama 3 also doch in den USA. Gemeinsam mit DJ Piers Marsh (The Mountain of Love) veröffentlichten sie zunächst zwei Singles als Trio, die jedoch auf wenig Gegenliebe in England stießen.
1994 entwich die Troika nach Italien, wo sie mit weitaus mehr Erfolg Songs von Howlin’ Wolf zu Mixen von Marsh aufführte und plötzlich von der Idee infiziert wurde, unter dem Logo Alabama 3 eine handfeste Band aufzustellen. Zurück in London, gründete Black 1996 die First Presleyterian Church of Elvis the Divine, in der Alabama 3 kurzerhand zum heißesten vertragslosen Act auf dem Dancefloor avancierten. In ihren Shows beriefen sie sich auf Lenin, riefen den Klassenkampf aus und priesen den Konsum von Drogen. Aufgestockt um Simon Edwards (Sir Eddie Real, perc), Orlando Harrison (The Spirit, kb), Rob Bailey (Mississippi Guitar Man Love, g), später ersetzt durch Mark Sams (Rock Freebase, g), John Jennings (Segs, bg) und Johnny Delafons (L. B. Dope, dr), wurden sie 1997 von dem Indie-Label One Little Indian unter Vertrag genommen, wo sie im selben Jahr mit Exile On Coldharbour Lane debütierten.
In England fand man ihre Mischung aus tanzbaren Beats mit Country- und Gospel-Harmonien anfangs wenig originell, doch in den USA stieß ihr feinsinniges Spiel mit Doppeldeutigkeiten auf großes Interesse, was ihnen die Nominierung zum Lieferanten der Eröffnungsmusik für die TV-Serie "The Sopranos" einbrachte. Mit umjubelten Auftritten auf den Festivals von Reading und Glastonbury eroberten sie 1998 auch das englische Publikum. Auf ihrem zweiten Album La Peste (2000) wirkte die inzwischen live erprobte Band ungleich organischer und erdiger. Einen Überraschungscoup landete sie vor allem mit einer groovigen Adaption des Eagles-Hits Hotel California, den die Band laut Spragg vor allem deshalb gecovert hatte, "weil es der erfolgreichste Drogensong aller Zeiten war".
Nach den stärker Dance-betonten Alben Power In The Blood (2002) und The Last Train To Mashville (2003) kehrte die Band mit dem anspielungsreichen Meisterwerk Outlaw (2005) in die tiefsten Sümpfe des Mississippi-Deltas zurück. "Alabama 3 graben sich in neue Tiefen eines Segments vor, an dem sich gestandene Größen wie Robert Plant und Beck derzeit vergeblich die Finger blutig schürfen. Sie greifen die Ansätze des ersten Albums von Everlast auf, feiern authentischen Blues mit elektronischen Grooves, ohne sich der einen oder anderen Seite anzubiedern oder allzu hörbare Klebestellen zwischen organischen und synthetischen Elementen zu hinterlassen" ("Jazzthetik"). Das Anschlusswerk M.O.R. (2007) konnte den hohen Standard von Outlaw nicht halten.
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs:
Exile On Coldharbour Lane (1997)
La Peste (2000)
Power In The Blood (2002)
The Last Train To Mashville (2003)
Outlaw (2005)
M.O.R. (2007)

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