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Ärzte,Die

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Biografie

Die Ärzte eröffneten ihre Praxis 1982 in West-Berlin und verordneten mit ihrem unbeschwerten, lauten, pubertären Fun-Punk einer schnell wachsenden Anhängerschar Lachen als beste Medizin. Dabei machten Bela B., als Dirk Felsenheimer am 14. Dezember 1964 geboren, Farin Urlaub, als Jan Vetter-Marciniak am 27. Oktober 1964 geboren, und Sahnie (bg), als Hans Runge geboren, vor platten Kalauern ebenso wenig halt wie vor ausgesuchten Obszönitäten, die sie mit Jugendschutzgesetzen in Konflikt brachten und für Publizität sorgten.

Das aus der Punk-Truppe Soilent Grün hervorgegangene Trio hatte bereits 1983 mit Zu schön, um wahr zu sein einen Independent-Hit und gewann Ende des gleichen Jahres den ersten Preis des Berliner Senats-Rockwettbewerbs. Die raubauzige Atmosphäre ihrer stets ausgiebigen Konzertauftritte konnten Bela B. und seine Assistenten allerdings nur unzureichend auf Platte bannen. Die Mini-LP Uns geht’s prima (1984) erfüllte nicht die Erwartungen der Fans, wenn die Band nun auch von Teenagerpostillen wie "Bravo" an die Brust gedrückt und fortan vom Rakete-Management (Nena, Spliff) betreut wurde. Schon die nächsten LPs Debil (1984) und Im Schatten der Ärzte (1985) begründeten den Ruf des Trios, neben den Toten Hosen Deutschlands lustigste Rockgruppe zu sein. "Wir wollten etwas noch Dümmeres machen als die Neue Deutsche Welle", sagte Bela B. zu Im Schatten der Ärzte, "und das ist uns auch voll gelungen."

Sahnie verließ nicht ganz freiwillig 1986 Die Ärzte, widmete sich zunächst seinem Studium und versuchte 1989 mit Erste Sahne ein erfolgloses Comeback. Bela B. und Farin Urlaub spielten ihre "bombigen Lieder" (Eigenwerbung) zunächst allein weiter und nahmen 1986 die LP Die Ärzte auf. Unerwartete und unfreiwillige Promotionhilfe erhielt die Band durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, die 1987 an den Texten der Ärzte-Songs Claudia hat ’nen Schäferhund und Schlaflied, 1984 auf Debil veröffentlicht, Anstoß nahm und sie auf den Index setzte. Die von der früheren Plattenfirma der Ärzte schnell nachgeschobene Zusammenstellung Ab 18 mit älteren Aufnahmen wurde gar komplett indiziert.

Immerhin hatte sich die Band auf höchste Popularitätsebene gebracht. Hagen Liebing (bg), am 18. Februar 1961 geboren, vergrößerte sie wieder auf Triostärke. Der Bangles-Hit Walk Like An Egyptian, von den drei Musikern mühsam auf den Text Geh’n wie ein Ägypter gebogen, und der Erfolg der Zusammenstellung Ist das alles? (1987) ließen die Ärzte in eine gesicherte Zukunft innerhalb der deutschen Rockmusik blicken, doch schienen die Musiker zunehmend das Interesse an ihrer Musik zu verlieren. Tatsächlich löste sich die Band nach der LP Das ist nicht die ganze Wahrheit (1988) und einer Abschiedstournee auf, die noch ein Dreifach-Live-Album ergab, nicht ohne zu versichern, niemals wieder zusammen als Ärzte zu praktizieren.

Bela B. gründete zusammen mit den ehemaligen Rainbirds-Musikern Beckmann (bg) und Rodrigo Gonzales (g, bg) S.U.M.P., nahm dann den Schlagzeuger OM Kobold von der Berliner Band Rubbermind Revenge hinzu und benannte die Band in Depp Jones um. Weitere Platten produzierte Bela B. mit der Berliner Punk-Legende PVC und dem Lästermaul Wiglaf Droste ( Grönemeyer kann nicht tanzen), während Farin Urlaub nach einer längeren Pause die Gruppe King Kong gründete. Den beiden früheren Ärzten kamen ihre alten Songs, nach und nach aus Das ist nicht die ganze Wahrheit ausgekoppelt, immer wieder in die Quere und minderten die Erfolge ihrer neuen Projekte. So taten sich Farin Urlaub und Bela B. 1993 wieder zusammen. Gonzales, am 11. August 1968 in Valparaiso, Chile, geboren, übernahm für den in den Journalismus gewechselten Liebing die Bassgitarre im neuen Ärzte-Team. Bei Metronome knüpften sie mit Die Bestie in Menschengestalt (1993) mühelos an die früheren Erfolge an, wurden von der nochmals vergrößerten Anhängerschar zu Superstars erhoben und mutierten gleichzeitig zur Klamauktruppe für Jung und Alt.

"Wir probieren alles aus", beteuerte Farin Urlaub kurz nach Planet Punk (1995), "und machen halt das, wozu wir Spaß haben. Das geht auch mal voll nach hinten los." Gemeint waren damit Songs über Kreisfahrer Michael Schumacher, über Misanthropen und explodierte Freundinnen, aber auch über Hersteller von Tretminen. Nicht faul, veröffentlichten die Ärzte wenige Monate später statt einer geplanten EP gleich eine ganze LP: Le Frisur (1996) zeigte sie optisch als matte Kopie der Heavy Metal-Veralberer Spinal Tap, musikalisch kopierten sie sich selbst. "Na, es war halt, irgendwie … schon ’ne sehr alberne Platte", gestand Farin Urlaub. Ernst wurden die Ärzte nur beim Geschäft: Ihr Vertrag mit Metronome war nichts mehr wert, als Ende 1996 die Firma aufgelöst wurde. Die Musiker setzten einen schnellen Schnitt und gründeten 1997 ihr eigenes Label, Hot Action Records, auf dem im Mai 1998 ihre LP 13 mit dem Hit Männer sind Schweine erschien: auf Anhieb Nr. 1 in den Single- und Video-Charts. Die Zumutung, die Punk-Schweinerei für einen Proll-Sampler mit Ballermann-6-Grölereien freizugeben, blockten die Ärzte ab. Aber ihr Song wurde gnadenlos gecovert.

Mittels einer "Mega-Ochsentour", so Farin Urlaub, wurde das Album 13, auf dem Bläser der James Last Band mitspielten, von den Musikern promotet: "Wir dachten, das ist unser Baby, da wollten wir alles richtig machen und haben dann prompt alles falsch gemacht." Am Ende eines entnervenden Interview-Marathons mit immer wieder den gleichen Antworten auf dieselben Fragen und einer angsterregenden dreimonatigen Tour wollten sie sich mal eine Weile möglichst wenig begegnen: "98 war extrem hart. Das ganze Jahr haben wir aufeinander gehockt, im Studio, in irgendwelchen Bussen. Das ist wie bei einem alten Ehepaar. Das geht an die Substanz." Bela trat als Schauspieler vor die TV-Kamera, spielte einen erfolglosen Techno-DJ in der Komödie "Gott und die Welt", einen Vampir in der Sat.1-Produktion "Nur kleine Fische" und verbrachte einige Zeit des Jahres 1999 nach einem explodierten Benzintank mit Verbrennungen im Krankenhaus. Rod produzierte in seinem Mad Dog Studio für sein Label RodRec Newcomer-Bands. Farin ging allein mit Motorrad und Zelt on the road und schrieb Songs. Das waren am Ende viel mehr, als die Ärzte brauchen konnten, also entschloss er sich zu einem Soloalbum, "auf dem ich außer Streichern und Bläsern alles selber spielen will, das ist mein Ehrgeiz".

Zur Produktion ihrer Videosammlung Killer sowie der Dreifach-CD Wir wollen nur deine Seele (1999) kamen die drei dann wieder zusammen. Zwei CDs, Gesamtspielzeit 148 Minuten, mit den Untertiteln Nö Sleep ’Til Viehauktiönshalle Öldenbürg und Halt’s Maul und spiel! enthielten Live-Mitschnitte, die dritte "Spoken Word Performances": im Drei-Zoll-Miniformat geile Sprüche und verbale Absurditäten unter dem Slogan Invasion der Vernunft. Stilprobe aus einem Interview mit dem Berliner Stadtmagazin "Zitty" auf die Frage, ob nicht "die Harfe als Ausdruck innerster seelischer Balance für die sphärischen Klänge" der Ärzte angemessen sei: "Farin: Müssen wir drei tumbe Rock-Toren jetzt genauso blumig antworten? Arschlecken! Rod: Also im Rock ist das so: Nummer eins ist der Sänger, dann kommt die Gitarre, dann kommt der Bass. Dann kommt gaaanz lange nichts mehr. Aber ganz unten, da kommt dann der Schlagzeuger."

Alle zusammen brachten Ende 2000 unter dem Titel Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer! wieder eine Nr.-1-CD in die deutschen Läden – "das übliche Ärzte-Punk-Pop-Gerocke" ("Rolling Stone"), gefolgt von Farins Soloalbum Endlich Urlaub (2001), ebenfalls auf Platz eins. Zwei ausufernde DVDs der Gruppe lösten in der Redaktion des "Musikexpress" extrem unterschiedliche Reaktionen aus. Über das "Unplugged"-Konzert vom 31. 8. 2002 im Hamburger Albert-Schweitzer-Gymnasium, knapp sechs Stunden lang und unter dem Titel Rock ’n’ Roll Realschule (Hot Action Records) veröffentlicht, urteilte Wolfgang Hertel in Heft 1/03: "Nie war der enorme Speicherplatz der DVD so wertvoll", und zeichnete das Werk mit dem Superlativ von sechs Sternen aus. Über Vollkommen gefangen im Schattenreich von Die Ärzte (Motor/Universal), zwei zur DVD zusammengefasste Tour-Doku-Videos von 1996, Andreas Kletzin in Ausgabe 8/03: "Nach gut 30 Minuten, drei Stunden vor Ablauf der Gesamtspielzeit, muss der nette Abend wegen akuter Birnenerweichung vorzeitig abgebrochen werden." Keine Wertung!

Eitel Hochachtung im gleichen Jahr bei beiden führenden deutschen Rock- und Pop-Blättern für die Erinnerungen des Ex-Bassisten (von 1986 bis 88) Hagen Liebing, mittlerweile Musikredakteur beim Berliner "Tip"-Magazin, im Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf: "Meine Jahre mit ,Die Ärzte‘". "Rolling Stone": "Na also!" Zusammenfassend postulierte Björn Döring in der "Berliner Zeitung": "Anarchie ist für die Ärzte heute jene Narrenfreiheit, die es ihnen ermöglicht, zwischen Schlager, Country, Swing, Rap, Metal oder – tatsächlich – Punkrock zu tänzeln, ohne dass(...)

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Uns geht’s prima (1984)
Debil (1984)
Im Schatten der Ärzte (1985)
Das ist nicht die ganze Wahrheit (1988)
Nach uns die Sintflut – Live (1988)
Die Ärzte früher (1989)
Die Bestie in Menschengestalt (1993)
Planet Punk (1995)
Le Frisur (1996)
13 (1998)
Wir wollen nur deine Seele (1999)
Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer! (2000)
Rock ’n’ Roll Realschule (2002)
Geräusch (2003)
Jazz ist anders (2007)

Zusammenstellungen (Auswahl):
Ist das alles? (1987)
Die Ärzte – Ab 18 (1987)
Das Beste von kurz nach früher bis jetze (1994)
Devil (2005)
LPs Bela B.:
Get Wise, Get Ugly, Get Sump (1989 mit S.U.M.P.)
Return To Caramba (1990 mit Depp Jones)
Welcome To Hell (1991 mit Depp Jones)
Bingo (2006)
LPs Farin Urlaub:
Endlich Urlaub! (2001)
Am Ende der Sonne (2005)
Livealbum of Death (2006)
LPs Farin Urlaub mit King Kong:
King Who? (1990)
General Theory (1991)
Life Itself Is Sweet, Sweet, Sweet! (1992)

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