Williams,Robbie
Williams,Robbie
Von der sagenhaften britischen Boy Group der 90er Take That ist bislang nur einer im Rampenlicht übrig geblieben: Robbie Williams. Auch wenn er lange durch seine Party- und Drogengeschichten von sich Reden gemacht hat, ist er in den letzten fünf Jahren zum ernsthaften internationalen Star in den Popolymp gestiegen. Hits wie die energetischen Let Me Entertain You und Rock DJ oder die Schmusesongs Feel und "She's The One" lassen nicht nur Mädchenherzen höher schlagen. Trotzdem bleibt er nach wie vor der unstete wie scheue Star, der zurückgezogen in seinem Haus in L.A. lebt.
Das Stehaufmännchen
Robert Peter Williams, geboren am 13. Februar 1974 in Stoke-on-Trent, wächst in eine Künstlerfamilie hinein: Sein Vater ist der Komödiant Pete Conway. Schon zu Schulzeiten wirkt er in Theater-Aufführungen mit, so dass in seine Mutter im Jahr 1990 kurzerhand zu einem Casting für eine neue, tanzende Boy Group mitnimmt. Der Name des Projekts ist Take That Produzent und Manager Nigel Martin Smith schwebt eine Art englische New Kids On The Block vor und so bringt er die Popband "Cutest Rush", Robbies bisheriges Projekt mit Gary Barlow und Mark Owen, mit der Breakdance-Truppe "Street Beat", vornehmlich Jason Orange und Howard Donald zusammen. Nach einigen weitgehend unbeachteten Single-Versuchen kommt der Durchbruch mit der souligen Cover-Version von Tavares' It Only Takes A Minute. Es beginnt ein kometenhafter Aufstieg und Millionen von hysterischen Teenagern als Fans durch Hits wie A Million Love Songs und Could It Be Magic. Für Take That bedeutet das ein ständiges Touren, dazwischen die Aufnahmen für die Alben "Take That And Party" (1992) und "Everything Changes" (1993) mit den Schmusenummern Pray , Babe und der Dance Pop-Nummer Relight My Fire. Im schicksalhaften Jahr 1995 wird einerseits das hoch gelobte und millionenfach verkaufte dritte Album "Nobody Else" veröffentlicht, das endlich den lang erhofften Erfolg in den USA bringt. Andererseits ist es das letzte Jahr von Robbie Williams als Mitglied von Take That. Er sondert sich immer mehr ab und hängt lieber mit den Jungs von Oasis rum, die was ganz anderes machen: Britpop. Schließlich verlässt er die Band, oder wird entlassen. Wenn man sich die alten Bandfotos ansieht, wird klar: Zu den sanften Jünglingen bei Take That passt Robbie eigentlich nicht wirklich. Er steht innerhalb der Gruppe auch mehr für das aggressive Image.
Jedoch hat seine erhoffte Solo-Karriere einen denkbar schlechten Start: Nachdem ihm Noel Gallagher von Oasis immer noch keinen Song schreiben will, stürzt er sich zumindest mit den Britpoppern ins Partygetümmel. 1995 und 1996 wird in den Medien nur noch über seine Drogenexzesse und Frauengeschichten berichtet. Robbie versucht sich an einem wenig beachteten Cover von George Michaels "Freedom 90". Aber eigentlich hat er nicht nur mit dem Sauberimage von Take That ein Problem, irgendwann hat er vor allem auch eins mit den Drogen: 1997 packt ihn sein Freund und Mentor Elton John kurzerhand ins Auto und verfrachtet ihn in eine Klinik. "Sir Elton John zwang mich zum Entzug", erklärt Robbie später in seiner Biografie "Feel" von 2004. Dort wird er sich ausgiebig über seine Vergangenheit mit Heroin, Ecstasy, Kokain und all den anderen Substanzen auslassen, die er nicht zu knapp in seiner Partyphase konsumiert. Doch bis zur eigenen Biografie ist es 1997 noch ein sehr weiter Weg. Sein gefühlvolles Stück Old Before I Die verspricht im gleichen Jahr schon eher eine Britpop-Richtung. Doch spätestens mit dem Debütalbum "Life Thru A Lens" von 1997 und mit der Single Angels findet er Beachtung. Spätestens ein Jahr später mit dem Nachfolgealbum "I've Been Expecting You" samt den bemerkenswerten Stücken Millenium und She's The One haben ihn die Fans wieder lieb - und kaufen vor allem seine Platten. Selbst Kylie Minogue erhofft sich von dem Duett Kids mit Williams einen Karriereschub und ist auf seinem dritten Album "Sing When You're Winning" aus dem Jahr 2000 vertreten. Die Herzen der Kritiker erobert Robbie dann nicht zuletzt mit "Swing When You're Winning", einer Hommage an Dean Martin und Frank Sinatra von 2002. Doch seine Balladen, lyrischen Schmusesongs und rockigen Popnummern sind vor allem einem zu verdanken: Guy Chambers, mit dem er seit der Single Angels fest zusammenarbeitet. Doch zu seinem fünften Album "Escapology" gibt es Knatsch mit seinem langjährigen Songschreiber. Kurz vor der Veröffentlichung hat er den bestbezahlten Plattenvertrag der britischen Musikgeschichte mit der EMI unterschrieben. Und bleibt fortan allein: Die Zusammenarbeit mit Chambers wird beendet. Bis dahin bietet auch "Escapology" wieder schöne Balladen, nämlich Feel und "Something Beautiful".
Interessant an der Figur Robbie Williams ist auch, wie er mit seinen Images spielt: In seinen Videoclips werden oft bestimmte Themen aus Robbies Leben angesprochen: In Come Undone thematisiert Regisseur Jonas Akerlund gekonnt den Absturz und das Morgengrauen nach der Party. Die Selbstentblößung des Entertainers wird in Rock DJ bildlich umgesetzt, wenn Robbie sich auszieht und sich schließlich Haut und Muskeln von den Knochen reißt. Nicht ganz freiwillig, denn die britische Presse stürzt sich immer wieder auf Details aus seinem unsteten Leben, seiner Einnahme von Anti-Depressiva und den wechselnden Frauen in seinem Leben. Nach der Beziehung mit der Jet Set-Britin Jacqueline Hamilton-Smith folgen diverse Affären mit Natalie Imbruglia, Spice Girl-Melanie C. oder Gerri Halliwell. Er verlobt sich mit Nicole Appleton von der Girl Group All Saints und hat unter anderem eine Beziehung mit Rachel Hunter, der Ex- Frau von Rod Stewart. Nach "Escapology" erträgt er nicht mehr den Rummel um seine Person und zieht sich in sein Haus in Los Angeles zurück. Denn in Amerika bleibt er lange unbekannt und kann unbedenklich auf die Straße gehen.
So entsteht das Album Intensive Care 2005 in Kooperation mit dem Songschreiber Stephen Duffy, während Rudebox ein Jahr später gleich eine Kollabo-Platte ist - unter anderem aufgenommen mit den Pet Shop Boys und William Orbit. 2006 ist auch das Jahr der Live Rekorde für Robbie, bei seiner Welttournee spielt er durchgängig in vollen Stadien und der Vorverkauf für jene verschafft ihm dank über eineinhalb Millionen verkaufter Tickets an nur einem Tag einen Eintrag im Guinnes Buch. Zur gleichen Zeit vollzieht sich eine andere wichtige Entwicklung: Take That verkünden ihre Wiedervereinigung und stehen erstmals wieder gemeinsam auf der Bühne - allerdings noch ohne Robbie Williams.
Das bisher letzte Studioalbum mit neuem Material liefert der Solokünstler Robbie Williams im Jahr 2009 ab. Mit Reality Killed The Video Star kehrt er dabei nach dem vom Dance-Sound der 80er beeinflussten Rudebox wieder zum Stil der älteren Platten zurück. Der ganz große Erfolg möchte sich jedoch nicht mehr einstellen. Und so kommt es vielleicht auch davon beeinflusst ein Jahr später, im Juli 2010, zu einer wahren Sensationsnachricht in der Welt der Popmusik: Robbie Williams kehrt zu Take That zurück. Das bedeutet gleichzeitig auch Frieden mit Gary Barlow, mit dem er dann auch gleich den Song Shame aufnimmt, der auf Robbies zweiten Best-Of In And Out Of Consciousness veröffentlicht wird. Im November 2010 erscheint schließlich das auch von Kritikern gelobte neue Take That Album Progress, dessen kommerzieller Erfolg Beleg für die erfolgreiche Reunion ist.




