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WESTBAM

Geburtstag:

04.03.1965
Geburtsort:

Münster, Deutschland
Genre:

Techno
Instrument:

Mixing, Progr.
Keyboards

WESTBAM

An Westbam scheiden sich die Geister: primitiv und narzisstisch nennen ihn und seine Musik die einen, für einen Techno-Halbgott, einen Visionär der geraden Bassdrum halten ihn andere. Vielleicht haben ja beide ein bisschen Recht.

Member Of Mayday

Zumindest 1997 ist Westbam ein ausgewiesener Liebling des Feuilletons. Denn dies ist das Jahr, in dem er gemeinsam mit dem Schriftsteller Rainald Goetz das Buch "Mixes, Cuts &Scratches" auf den Markt bringt. Eine regelrechte Ode an die Welt der geraden Beats, süffig leidenschaftlich dahin geschrieben vom Bachmann-Preisträger Goetz, fußend auf allerlei Beobachtungen des Erfinders der Massenrave-Veranstaltung Mayday. 1997 ist so auch das Jahr, in dem Westbam den renommierten Kulturpreis der Berliner Zeitung bekommt, neben etablierten Künstlern wie Mario Adorf und Otto Sander. Und schließlich ist es das Jahr, in dem sein vielleicht größter Hit Sonic Empire erscheint; und nur einen Monat später die Hymne zur Loveparade: Sunshine. Ein gutes Jahr, ganz sicher. Indes: Nicht jeder Produzent und DJ gerät in derartige Erfolgsregionen. Nicht jeder wird in einem Atemzug genannt mit Sven Väth und Jeff Mills. Westbam kann Ende er 90er allemal von sich behaupten, einer der führenden Köpfe von Deutschlands Raving Society zu sein.

Eigentlich heißt Westbam Maximilian Lenz, geboren wird er am 4. März 1965 in Münster, Westfalen. Angeblich bedeutet Westbam Westfalia Bambaata, in respektvoller Anlehnung an den amerikanischen Techno-Urvater Afrika Bambaata. Bevor Westbam selbst zum Halbgott des Techno avanciert, bevor er 1989 gemeinsam mit Dr. Motte die Loveparade Ende erfindet, und zwischendurch immer mal wieder des Ausverkaufs der Technokultur bezichtigt wird, verliert er als junger Mann zunächst die Geduld mit seiner mittelgroßen Heimatstadt. Er macht, dass er schleunigst nach Berlin kommt. Allerdings hat sich Westbam zuvor gut präpariert: Mit 18 ist er bereits Resident-DJ des Münsteraner Odeon Clubs.

Sehr früh, Ende der 80er, entdeckt Westbam den Housesound of Chicago und die funky Technobeats Detroits. Mit Klaus Jankuhn, einem Freund aus Schultagen, produziert er 1985 seinen ersten Track ? sein lustiger Titel: 17 ? This Is Not A Boris Becker Song. Einige Chartknüller folgen: Monkey Say Monkey Do, Disco Deutschland u. a. Man kann sagen, Westbam ist auf dem besten Wege zum Star. 1988 gründet er das Label Low Spirit Recordings; 1989 folgt sein Debütalbum The Cabinet. Dann kommen, wie gesagt, die 90er Jahre und Deutschland wird, zumindest nehmen das viele so wahr, zur ravenden Gesellschaft. Dass diese Gesellschaft oder Gemeinschaft in Wirklichkeit sehr wenige Verbindungsmerkmale aufweist, abgesehen von gewissen hedonistischen Tendenzen, stört nicht weiter. Der Begriff klingt gut und macht in der Folge seines Gebrauchs DJ-Persönlichkeiten wie Sven Väth und natürlich Westbam zu Göttern. Die vermeintliche Bedeutungslosigkeit der Personen hinter der Technomusik erweist sich als Farce. Tatsächlich scheint kaum eine Musiksorte in den 90ern besser geeignet, Stars hervorzubringen.

Das ist die andere, die negative Seite der 90er; und zu ihr gehören auch Westbam-Tracks à la Let The Sun Shine In Your Heart, die zwar Charterfolge zeitigen, aber Westbam den Ruf eines Techno-Ausverkäufers einhandeln. In Richtung Charts verweist auch Westbams Album Bam Bam Bam - ein hübscher Erfolg, zweifellos. Seit dem Jahrtausendwechsel widmet sich Westbam verstärkt dem Produzieren von Tracks. Am liebsten kooperiert er mit dem New Yorker MC Africa Islam. Unter dem Namen Mr. X And Mr. Y veröffentlichen sie das Album New World Order, das nach HipHop, Techno, Elektro klingt und erwartungsgemäß die Charts hinauf klettert. Auch im Jahr 2004 nehmen die beiden einen gemeinsamen Track auf, mit dem sie beim Vorentscheid zum European Song Contest teilnehmen. Doch Dancing With The Rebels scheitert. Seine Teilnahme am ehemaligen Schlagerwettbewerb bezeichnet Westbam vollmundig als Statement. Leider sagt er nicht, als Statement für was eigentlich. Vermutlich für den Erfolg von Pop, für den seine Musik, was immer man von ihr halten mag, nun einmal steht. Daran ändert auch ein Scheitern beim European Song Contest nichts.