Väth,Sven
Produzent
Gesang
Väth,Sven
Gibt es einen größeren DJ-Popstar in Deutschland als Sven Väth? Natürlich nicht. Ravern erklärt der Mann mit geraden Beats und punchender Bassdrum, weshalb die Welt mitsamt Sonne untergehen, und man trotzdem immer weiter feiern könnte.
Zuhause im Omen
Sven Väth wird am 26.10.1964 in Oberhausen geboren. Oberhausen liegt bei Frankfurt, womit bereits geklärt wäre, weshalb Väth, als es so weit ist, nicht irgendwo zum DJ-Gott wird, sondern in Frankfurt. Man könnte jetzt anführen: Schön und gut, aber in Frankfurt geht ja auch gerade in den 90ern eine Menge in Sachen Techno! Das stimmt natürlich, aber wäre dem auch so ohne Sven Väth? Eher nicht. Wie geht es also los? Und wie geht es weiter? Welchen gemeinsamen Weg gehen Techno und Väth? Denn in den 80ern sieht?s in der Mainmetropole noch ein wenig anders aus. Man muss sich das so vorstellen: Techno gibt?s noch nicht, nicht mal in Detroit. In einer der angesagteren Discos (damals sagte man noch Disco, nicht Club) läuft, was dieser Zeit in vielen angesagten Discos läuft: Human League, New Order, Depeche Mode ? das schöne Wave-Programm. Die Disco heißt Dorian Gray und der DJ heißt Sven Väth, na klar. Väth hat schnelle Ohren: Bereits in den späten 80ern legt er im Dorian Gray auch US-amerikanische House-Tracks auf. Bis zur Geburt von Techno soll es allerdings noch ein bisschen dauern.
Väth ist also schon in den 80ern eine lokale Größe. Und so werden bald die Frankfurter DJ-Kollegen Michael Münzing und Luca Anzilotti auf ihn aufmerksam. Sie fragen ihn, ob er nicht Lust hat, an ihrem Projekt Off mitzuarbeiten. Väth hat Lust. Er übernimmt die Vocal-Parts beim Stück Electrica Salsa (1986). Das Stück ? eine Art Blaupause für eine Musikrichtung, die später EBM heißen wird ? klettert in die Charts Europas; und Väth ist auf dem besten Weg, ein internationaler Popstar zu werden. Die Zusammenarbeit mit den Produzenten von Off endet allerdings nach zwei Longplayern. Aber Väth wäre heute nicht da, wo er ist, wenn er damals locker gelassen hätte. Mit einem anderen Projekt namens Mosaic ist er bald wieder in den Charts. Parallel dazu gründet er mit zwei Freunden den Club Omen, und schafft damit sich, der nach außen gerichteten Popfigur Sven Väth, und seiner Musik ein adäquates Umfeld. Das Omen ist einer der ersten Clubs Deutschlands, in den die Acid-Welle schwappt, und kurz darauf, Anfang der 90er, auch Techno. Väth selbst gilt als unumstrittener Wegbereiter dieser Sounds.
Selber produzieren
Techno der frühen Stunde in Deutschland - also auch im Omen - das bedeutet vor allem Trance. Und weil Frankfurt und Sven Väth das Zentrum dieses Sounds sind, spricht man vom "Sound of Frankfurt". 1991 gründet Väth gemeinsam mit dem ehemaligen Geschäftsführer des Dorian Gray, Heinz Roth, und dem Produzenten Mathias Hoffmann die Labels Eye Q, Harthouse und Recycle Or Die. Ein Jahr später avanciert er mit der eigenen Platte An Accident In Paradise zum Hitproduzenten. Das Stück amalgamiert Jean Michel Jarre und Holger Czukay zu housigem Trance; es hebt die Vergangenheit in die Gegenwart, und schafft so etwas Neues. Derweil blüht Techno in Deutschland weiter auf. Und als Väth 1994 sein zweites Album The Harlekin, The Robot And The Ballett Dancer veröffentlicht, schwimmt er ganz oben auf der ersten großen Rave-Welle mit. Väth geht es auf Platte, das deutet bereits der Titel an, aber auch sonst um Techno als großes Spektakel, als wilde Gemengelage aus Tanz, Körperkultur, Sprache, Mode, Clubleben, Ekstase und Musik natürlich.
Freilich ist der Techno der ersten Stunde auch ein Hype, der gewissermaßen notwendig irgendwann eine Kurve nach unten nehmen muss. Kurz nach unten mit Väth, wenn man das so sagen kann, geht es im Jahr 1997, als Eye Q und Harthouse bankrott machen. Doch Väth fängt sich, unterschreibt beim Major Virgin und veröffentlicht 1998 das Album Fusion, das seinem Namen alle Ehre macht und House, Electro, Big Beat, Trance, Techno und Ambient zusammenbringt. Im selben Jahr schließt der mittlerweile legendäre, und über die Landesgrenzen hinaus bekannte Club Omen seine Tore, doch auch dieses Mal fackelt Väth nicht lange. Techno ist seine ganz große Vision, und aus ihr heraus entsteht folgerichtig das Riesending Cocoon. Cocoon, das ist Väths bisher größtes Projekt, mit Abstand: bestehend aus Booking Agentur, aus einem in verschiedenen Ländern operierenden Clubkonzept, Radioshows, eigenem Label, allerlei Merchandise-Produkten und, seit einiger Zeit, einem Edel-Glamour-Club in Frankfurts Industriegebiet, der Cocoon (sic!) heißt. Es ist ein Club, wie ihn sich nur ein Techno- und Nachtleben-Verrückter vom Schlage eines Sven Väth ausdenken konnte: mit sündhaft teurer Einrichtung, einer gigantischen Musikanlage, traumhaften Bookings und - nun ja - ebenso traumhaften Eintrittspreisen. Väth würde dazu sagen: Alles hat seinen Preis.




