Tocotronic
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Müller, Jan
Bass
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Zank, Arne
Schlagzeug
Keyboards
Gesang -
*06.08.1970
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McPhail, Rick
Keyboards
Gitarre
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Lotzow, Dirk von
Gesang
Gitarre -
*21.03.1971
Tocotronic
Keine deutschsprachige Indierock-Band vereint die Prinzipien Hass und Herzlichkeit so selbstverständlich wie Tocotronic.
Die Punks der Eleganz
Tocotronic vermögen zu erstaunen. In den Anfangsjahren spielt die Hamburger Band krachigen Gitarrenrock, der deutlich von einer in Punk verbrachten Jugend geprägt ist. Doch schon als es in den Jahren zwischen 1995 und 1999 musikalisch vor allem noch um ein simples Stop-And-Go, Laut-und-Leise-Prinzip geht, durchweht die Texte des Sängers und Gitarristen Dirk von Lotzow eine Durchdachtheit, die den griffigen Jugendbewegungs-Parolen zu Nachhall verhilft: Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit heißt es da ebenso wie Wir kommen, um uns zu beschweren. Damit trifft die Band in den 90er Jahren den Nerv der deutschsprachigen Indie-Länder.
Schlagzeuger Arne Zank, Bassist Jan Müller und Sänger Dirk von Lotzow rufen ihr Trio 1993 ins Leben und benennen es nach einem Gameboy-Vorläufer. Bereits vor Erscheinen der ersten Single Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein schafft es die Band, mit wenigen Auftritten in Hamburgs Kneipen von sich reden zu machen. Sie haben gute und einfache Songs, sie können von Hass singen und dann bei der nächsten Ansage ausgesprochen herzlich und elegant mit ihrem Publikum zu plaudern. Außerdem ist die Zeit reif für ihren Kleidungsstil: mit den zu engen, aber immer bunten T-Shirts und den ausgewaschenen Cord-Hosen wird das Trio ebenso bekannt wie für seine Musik. Die Single wird vom aufstrebenden Hamburger Indie-Label L'Age D'Or weitervertrieben, und so findet die Band schnell überall da Gehör, wo Deutsch verstanden wird. Es folgt die Frühphase mit stürmischem Indierock, drei LPs, begeisterten Kritikern und Fans, die nicht davor zurück schrecken, kollektiv die Bühne zu kapern. Erst mit dem Album Es ist egal, aber beginnt eine Art Übergangsphase: zum ersten Mal wird im Jahr 1997 ein Album von Midtempo-Songs dominiert; Keyboard- oder Mundharmonika-Sounds halten Einzug in den einst so schlichten Klang der Band.
Meister der Phantasie
Die eigentümliche, musikalisch sogar noch interessantere Phase des Trios beginnt mit K.O.O.K. 1999. Mittlerweile werden die Texte von rätselhaften Weisheiten und gleichnishaften Erzählungen dominiert. Diese Phantasmen setzen sich fort auf Tocotronic 2002, das in seinen ausformulierten Arrangements und seiner sich entfaltenden Eleganz zu den Platten in deutscher Sprache überhaupt zählt. Inzwischen haben alle drei Tocotronics weitere Projekte am Laufen: Dirk von Lotzow singt Elektro-Pop bei Phantom/Ghost, und auch Arne Zank wendet sich der elektronischen Produktion zu. Jan Müller mischt indes bei Das Bierbeben mit, einer stumpfen Punk-Electro-Combo. Mit Pure Vernunft darf niemals siegen veröffentlichen Tocotronic 2005 ihr sechstes Album, das üppiger arrangiert ist als der Vorläufer und wieder einmal atemberaubende Songs enthält. Von nun an gehört der langjährige Tour-Keyboarder Rick McPhail offiziell zu Tocotronic.
Auch bei Kapitulation, dem im Sommer 2007 veröffentlichten Album des Quartetts, ist dies der Fall. Mit Pop-Songs und Mauern aus Lärm lobt die Band auf diesem Werk die Schönheit des Nicht-Mitmachens. Auch das Fanal zum dritten und letzten Album der "Berlin-Trilogie" ist eine Geste der Verweigerung: "Mach es nicht selbst" ist eine Hymne gegen den Baumarkt-Wahn. Das dazugehörige Album, Schall und Wahn, erscheint im Januar 2010 und taucht tief ein in den Ozean des Klangs.
Diese Band wird es noch lange geben.




