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TRAVIS

Genre:

Alternative
Bandmitglieder:

  • Payne, Douglas
    Bass
  • Dunlop, Andy
    Gitarre
  • Primrose, Neil
    Schlagzeug
  • Healy, Francis
    Gesang
Nachfolger:

Cinerama
Ballboy
Elbow

TRAVIS

Setze alles auf deine Musik. Spiel sie in den schäbigsten Läden. Glaube an deine Songs, irgendwann wird einer von ihnen gewinnen: bei Travis geht diese waghalsige Rechnung auf.

Ehrlich erfolgreich

Eine Band, der es gelingt, in London ohne Klamauk und Große-Töne-Spucken zum Star zu werden, kann eigentlich nur von woanders kommen. Travis sind aus Schottland, wohnen in London, und bewahren dort ruhig Blut - eine geeignete Ausgangsposition, um auf lange Sicht die besten Einfälle in Sachen Songschreiben zu haben. Travis umweht trotz 100% perfekter Bühnenshow und wunderschönen Schallplatten auch heute noch der Hauch des glücklichen Zufalls - weil es in England so viele andere Bands gibt , die ähnlichen Sound, ähnlich solides Können und ähnlich unspektakuläres Auftreten an den Tag legen. Travis haben es als eine der Wenigen an die Spitze geschafft - und das nicht ohne Grund.

Keine Ahnung, ob Petrus einen Sinn für gute Popmusik hat, jedenfalls hat er Travis einmal sehr geholfen: Glastonbury-Open Air 1999, die Band stimmt gerade ihren Song Why Does It Always Rain On Me an, als der Himmel seine Schleusen öffnet. Das macht er bei diesem Festival sonst auch sehr gerne, diesmal aber hat er Lust auf einen richtigen Wolkenbruch - das Publikum wird patschnass, und weil die Briten, vom Wettergott nicht gerade verhätschelt, solche Ironien des Schicksals lieben, spricht sich die Anekdote schnell herum. Kurze Zeit später stehen der Song und das zugehörige Album The Man Who an der Spitze der britischen Charts. Ein lustiger Zufall, der jahrelange Maloche reich belohnt.

Ein kurzer Blick zurück zu den Anfängen: 1990 macht Francis Healy, Travis' Songschreiber, mit ein paar Freunden von der Kunsthochschule in Glasgow eine Pub-Band auf und benennt sie nach dem hübschen Beatles-Song Glass Onion. Vier Jahre später siedelt man nach London um - mit dem festen Entschluss, Travis zu einer professionellen Band zu machen. Die auf eigene Kosten veröffentlichte Maxisingle All I Want To Do Is Rock gibt das Programm vor, mit dem Travis eine ganze Weile durch die Clubs der englischen Hauptstadt tingeln. 1997 gelingt es der Band, das neugegründete Label Independiente als Plattform für ihr Debütalbum zu gewinnen. Good Feeling heisst es, ein noch platterer Titel als sein Vorgänger, aber Travis dürfen das, denn sie halten mit ihrer Musik stets, was sie versprechen. Zudem wird die Platte von Steve Lillywhite produziert, einem Garanten für Radiotauglichkeit. Good Feeling ist eine untypische Produktion für den Mann, der U2 und Simple Minds im Mischer hatte - hier wird kein durchgehender Sound manifestiert, sondern ein interessantes Hin und Her zwischen nett und lärmig.

Gekommen, um zu bleiben

Die Melancholie, die auf Good Feeling schon durch viele Travis-Songs lugt, wird auf The Man Who, dem Nachfolger, weiterverfolgt - mit ansehnlicher Resonanz, wie sich zeigt. Doch der Aufstieg in die Topliga gelingt Travis erst an besagtem Tag im Sommer 1999, als der Stossseufzer von Francis Healy, warum denn immer nur er nassgeregnet wird, mit einem Wink des Himmels beantwortet wird, den alle Briten verstehen. Travis, die Perfektionisten der unspektakulären Herangehensweise, schwimmen ab jetzt auf einer Woge des Erfolgs, die sie auch in die USA trägt: im Doppelpack mit Oasis setzt das Quartett einen gezielten Kontrapunkt zum großkotzigen Vortrag ihrer Kollegen.

2001 lassen Travis mit The Invisible Band ihr drittes, im sonnigen Kalifornien eingespieltes Album folgen, ein Titel, der auf keine Band so gut passt wie auf Travis: Keine zerdepperten Fernseher oder andere Rock-Standards, die Futter für die hungrige britische Musikpresse liefern könnten - Travis verschwinden komplett hinter ihren Songs und verzichten darauf, sich zu produzieren... weil sie wissen, dass ihre Musik alles hat, was sie braucht, um komplett für sich stehen zu können. 12 Memories, unter dem alptraumhaften Eindruck des 11. September entstanden, dreht die Privatheit vieler Travis-Songs ganz selbstverständlich in globale Zusammenhänge. 2002 wird zum finstersten Jahr für die Band - Schlagzeuger Neil Primrose zieht sich bei einem Schwimmunfall schwere Verletzungen an der Wirbelsäule zu, die Zukunft der Band steht für einige Zeit in den Sternen - entweder ganz, oder gar nicht, so sind sie, die treuen Schotten. Glücklicherweise ist Primrose inzwischen wieder genesen, deshalb kann es für Travis weitergehen: 2007 veröffentlichten sie The Boy With No Name. und 2008 dann Ode To J.Smith.
Bei Travis bewegt sich was. Langsam, aber zuverlässig.