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Radiohead

Bandmitglieder:

  • Greenwood, Colin
    Bass
  • *26.07.1969
  • Greenwood, Johnny
    Gitarre
    Keyboards
  • *05.11.1971
  • O'Brien, Ed
    Gitarre
    Gesang
  • *15.04.1968
  • Selway, Phil
    Schlagzeug
  • *23.05.1967
  • Yorke, Thom
    Gesang
  • *07.10.1968

Radiohead

Radiohead sind die großen englischen Experimentatoren des Pop. Gefühlstaumelig, gleichzeitig lärmend, sich mitunter sogar dem Song selbst halsstarrig verweigernd, so kennt man sie. Und liebt sie sehr für ihre Unberechenbarkeit.

An einem Freitag

Los geht's in der Schule, in der Albingdom Public School in Oxford: Thom Yorke, Ed O'Brien, Phil Selway, Colin und Jonny Greenwood spielen dort seit Anfang der 80er in verschiedenen Schülerbands. Eine davon, gegründet 1987, hat den seltsamen Namen On A Friday. Es dauert nicht lang, da benennen sie sich um in Radiohead. Der Name geht zurück auf einen gleichnamigen Song der Talking Heads, und natürlich hört er sich auch viel besser an als der alte. Er ist wie geschaffen für die stellenweise sehr extreme, elektronisch basierte Musik, für die der Name Radiohead später stehen wird. Aber so weit sind wir noch nicht. On A Friday und die ganz jungen Radiohead sind, so man will, leidenschaftliche Rocker mit Popgeschmack: Man hört aus ihren Songs Einflüsse der Pixies, aber man hört auch U2.

Radioheads erste EP "The Drill" (1992) kann man auch verstehen als eine Art Befreiungsschlag: Weg vom Schulrock, hin zur ernstzunehmenden, ambitionierten Band mit interessanten Songs, wenngleich die Musik auf dieser Platte einen etwas chaotischen Eindruck hinterlässt. Offensichtlich ist hier gerade jemand dabei, seine Identität erst zu entwickeln. Dennoch: Vieles, was man später als typisch Radiohead beschreiben wird, die epischen Melodien, der pathetisch-verlorene Gesang Yorkes, der dichte Gitarrensound, all das ist bereits da. Und wird dann etwas begradigt, vereinheitlicht und professionalisiert auf ihrem ersten Album Pablo Honey aus dem Jahr 1993, auf der sich unter anderem Radioheads unfassbarer Hit Creep befindet, Yorkes verzweifelt zähneknirschend dargebotener Song über ein Mädchen, das er nicht bekommt, schlicht weil es nicht zu erreichen ist.

Was kaputt machen

Creep spielt in England Platin ein, womit die Band endlich auf dem Erfolgskurs ist, obschon viele Pressevertreter davon überzeugt sind, Radiohead seien nur eine Eintagsfliege. Was nicht stimmt. Beweisen tun sie das mit ihrem zweiten Longplayer The Bends (1995), der binnen einer einzigen Woche bis auf Platz sechs der britischen Charts klettert. Auch die Nörgler unter den Kritikern sind nun überzeugt, dass hier eine Band mit sehr viel Talent eine hohe Dosis Schweiß und Energie in originelle Songs transformiert. Songs, die sich im Grunde mit nichts vergleichen lassen außer mit sich selbst, so eigen ist ihr Sound inzwischen; so sehr klingt Yorke nach Yorke, und nach nichts sonst. Am Ende des Erscheinungsjahres ist The Bends auf einigen ersten Plätzen in den Jahrescharts verschiedener Musikzeitschriften. Ein Erfolg, über den sich Radiohead besonders freuen.

1997 erscheint dann Radioheads Album OK Computer, über das der Londoner Guardian schreibt, es sei ein "schillerndes Meisterwerk am Ende des Jahrhunderts". In anderen Worten: Radiohead sind jedermanns Lieblinge. An Preisen sahnen sie für dieses Album so ziemlich alles ab, was es gibt - u. a. zwei Grammys. Was folgt, ist die Panik von Sänger und Songautor Yorke, seine Schreibblockade - eine Folge von Überarbeitung und immensem Erfolgsdruck -, die sich kurz nach OK Computer einstellt, könne nie mehr überwunden werden. Doch natürlich wird sie überwunden. Die Platte, die den Beweis dafür antritt, heißt Kid A (2000). Sofort schießt sie auf Platz eins der britischen Charts, und das, obwohl sie alles andere als zugänglich ist: wirre Samples, kreiselnde Gitarren, Pomprockspiränzchen - es zischt und scheppert und fiepst. Und das nicht ohne Grund, denn Yorke selbst steht in der Produktionszeit auf dem Kriegsfuß mit melodischen Songs, daher das chaotische Patchwork. Um einiges zugänglicher als diese ordentliche Packung Lärm fallen dafür die zwei nachfolgenden Alben der Band aus: Amnesiac (2001) und Hail To The Thief (2003). Radiohead-Fans sind erleichtert, und die Band hat einmal mehr den Beweis angetreten, dass man bei ihnen auf alles gefasst sein muss.

Nach einer vierjährigen künstlerischen Pause, die Radiohead-Fans unglaublich lang erschienen sein muss, wird im Oktober 2007 endlich das siebte Album der Band veröffenticht. Bei der Auskopplung von In Rainbows setzen Radiohead auf eine neue Vermarktungsstrategie - die neue Platte ist als Download über eine von der Band betriebene Homepage erhältlich. Der Gag an der ganzen Sache: Jeder bezahlt das, was ihm das Album wert ist. Auch ein kostenloser Download ist möglich. Die altbewährte Variante - ein physischer Tonträger - ist (gegen einen festen Geldwert) zu einem späteren Zeitpunkt erhältlich. Mit dieser Aktion geben die Musiker den Hörern einen diskussionswürdigen Denkanstoß - wie viel ist Musik im digitalen Zeitalter noch wert? Musikalisch bekommen all diejenigen, die etwas spenden oder eben auch nicht, jede Menge feine und dezente elektronische Spielereien geboten. In Rainbows erreicht Position acht der deutschen Longplaycharts. Die aktuellste Veröffentlichung betrifft das im März 2011 erschienene achte Album der Band. The King Of Limbs kann Platz 13 der deutschen Charts für sich gewinnen. Das vielschichtige Werk mutet an wie eine Festung mit vielen Wirrungen und Windungen - typisch Radiohead eben.