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R.E.M.

Genre:

Alternative
Bandmitglieder:

  • Buck, Peter
    Gitarre
  • *06.12.1956
  • Mills, Mike
    Bass
  • *17.12.1958
  • Berry, Bill
    Schlagzeug
  • *31.07.1958
  • Stipe, Michael
    Gesang
  • *04.01.1960

R.E.M.

So sehr hat sich die Band auf ein konstant hohes Niveau gut gemachter Popsongs eingespielt, dass mancher nur noch mit den Achseln zuckt, wenn er den Namen R.E.M. hört. Und es stimmt natürlich: große Überraschungen hat man von den Amerikanern nicht zu erwarten. Aber von Bruce Springsteen oder Bryan Adams erwartet das ja auch niemand.

Gute Bekannte

R.E.M. ist ein Begriff aus der Medizin: Er bedeutet wörtlich übersetzt "Rapid Eye Movement" und bezieht sich auf die rasche, ruckartige Augenbewegung während der Traumphase. Was das mit der Musik der gleichnamigen Band aus Georgia zu tun hat? Vermutlich nichts. R.E.M. - das ist einfach ein Name. Oder besser: So war es einmal. Denn längst ist dieser Name Branding, stehender Begriff und Gütesiegel in einem. Jedes Kind weiß, dass R.E.M. eine überaus erfolgreiche Band sind, eine, auf die man sich verlassen kann wie auf den Geburtstag. Sie sind nicht mehr weg zu denken aus der Musiklandschaft. Geworden sind sie das, in dem sie immer wieder hochmelodiöse Songs zwischen Folk und Indierock geschrieben haben, die man nicht zuletzt dank Michael Stipes markant nöliger Stimme einmal hört und nie wieder vergisst.

Ihr erstes Konzert geben Mike Mills, Bill Berry, Peter Buck und Michael Stipes im Jahr 1980, aber da heißen sie noch Twisted Kites. Ihre selbst finanzierte erste Single als R.E.M. Radio Free Europe ist zwar noch sehr vom Wave beeinflusst, so wie einige ihrer früheren Songs, aber bereits hier hört man sie raus, die späteren, berühmteren R.E.M.. Miles Copeland ist beeindruckt, die jungen Männer bekommen einen Vertrag bei seinem I.R.S.-Label und gehen auf Tour mit den seinerzeit äußerst beliebten The Police. Der Grundstein einer großen Karriere ist gelegt. Ihr Debütalbum Murmur aus dem Jahr 1983 wird vom Rolling Stone zur "Platte des Jahres" gekürt. Typisch hier wie auf späteren Alben: der lyrische Gehalt in Stipes bisweilen etwas kryptisch anmutenden Texten, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass der Mann mit den stets kurz geschorenen Haaren an einer Kunsthochschule Vieldeutigkeiten höher schätzen gelernt hat als das allzu Eindeutige.

Schmerz und Politik

Was folgt, sind wenigstens fünf Alben mit Evergreens für die Indie-Gemeinde, denn zwar sind R.E.M. immer gut für eine Hymne, aber als wirklich massenkompatibel gelten sie trotzdem nicht, vor allem nicht bei den US-amerikanischen Radiostationen. Dafür sind die Gitarren zu schrammelig, ist ihr Sound auch insgesamt ein bisschen zu düster. Auch die Tatsache, dass der introvertierte Stipes am liebsten wirkt wie eine längst verlorene, Schmerz befangene Seele und zudem das Establishment mit politischen Texten attackiert, spricht augenscheinlich gegen ihren späteren Status als Megaseller. Seinen Ruf als großartige Band festigt das Quartett in dieser Zeit unter anderem mit extensiven Touren. R.E.M., so heißt es, seien live ein unbedingt sehenswertes Ereignis. Man mag das gerne glauben.

Mit ihrem Album Green (1988) wechseln sie zum Major Warner. Und drei Jahre später beschert ihnen ihr Hit Losing My Religion aus dem Album Out Of Time den Erfolg, den sie im Grunde längst verdient haben. Europa wird auf die Band aufmerksam; zahlreiche Preise gehen durch die Hände der Bandmitglieder. Gleichzeitig setzten sich R.E.M. ein für verschiedene (politische) Organisationen, unter anderem für eine New Yorker Organisation, die für den Erhalt der tibetanischen Kultur einsetzt.

Ihr nächstes Album Automatic For The People (1992) geht auf etwas andere, denn nur musikalische Art, in die Musikgeschichte ein. Es ist das Album mit dem höchstdotierten Plattenvertrag der Musikgeschichte. Warner lässt sich diese Arbeit sage und schreibe 80 Millionen Dollar kosten. Umso enttäuschter muss die Firma sein, als die beiden Nachfolger Monster (1995) und New Adventures In Hi-Fi (1996) bei weitem nicht so erfolgreich sind. Hits wie Man On The Moon und Everybody Hurts sucht man dort vergeblich. Derweil ist das Quartett zum Trio geschrumpft. Bill Berry lebt und arbeitet in aller Ruhe auf seiner Farm. Dass Stipes und Co. nicht daran denken aufzuhören, beweist ihr jüngstes Album Arround The Sun (2004). Alles beim Alten hier: gewohnte Qualität auf höchstem Niveau. Die Veränderungen halten sich in Grenzen, und das sollen sie auch. Wäre das anders, wären R.E.M. nie geworden, was sie sind - eine Band, so sicher wie das Amen in der Kirche.

Eine solche Gruppe kennt auch die Mechanismen der Wahrnehmung: Wer über Jahrzehnte jedes Jahr auf's Neue präsent ist, kann ebenso unsichtbar werden wie jemand, der sich gar nicht zeigt. Erst im Jahr 2008 veröffentlichen R.E.M. deshalb Accelerate, das nächste Studio-Album. Nach weiteren drei Jahren erscheint im März 2011 eine Kollektion ganz neuer Songs. Sie hört auf den Namen Collapse Into Now. Doch, wie das Leben so spielt - immer dann, wenn alles in Ordnung zu sein scheint, kommt das nächste Unglück um die Ecke. Nach der Veröffentlichung ihres letzten Albums, gibt die wohl erfolgreichste Band des Alternative Rock am 21. September desselben Jahres ihre Trennung bekannt. R.E.M.-Sänger Michael Stipe soll sich den Worten "Die Kunst, eine Party zu besuchen liegt darin, zu wissen, wenn es Zeit ist, zu gehen" von den Fans der Band verabschiedet haben.