Placebo
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Molko,Brian
Gesang
Gitarre
Bass -
*10.12.1972
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Olsdal,Stefan
Gitarre
Bass -
*31.03.1974
Placebo
Placebo sind musikalisch nicht leicht einzuordnen - eigentlich retro, befördern sie Glamrock und New Wave so kompakt und poliert ins neue Jahrtausend, als sei es eine Selbstverständlichkeit.
Cyberglam
Jedes der vier Placebo-Alben klingt nach Neuanfang, was vielleicht daran liegt, daß die Band gerne den Produzenten wechselt: u.a. Brad Wood (Tortoise) und Jim Abiss Björk, Dj Shadow) haben größeren Anteil am Endprodukt als bei anderen Bands. Was jedoch am schwierigsten einzuordnen ist, und gleichzeitig einen wichtigen Faktor für Placebos Erfolg darstellt, ist das Gesicht des Sängers Brian Molko: Mann oder Frau? Der Überraschungseffekt ist jedenfalls groß, wenn man ihn zum ersten Mal sieht. Die Androgynität des Placebo-Frontmanns fasziniert und irritiert, und läßt die Musik der Band oft zweitrangig erscheinen gegenüber der Frage, ob ein Mann sich schminken darf, ohne eine eindeutige Position zu seiner Sexualität einzunehmen. Als hätte es die tausend Verwandlungen eines David Bowie nie gegeben!
Placebo starten gemeinsam mit Britpop, wollen aber nicht mit ihm in einen Topf geworfen werden. Ihr Sound ist um den entscheidend rockigen Tick anders, außerdem sind Placebo ja keine eingefleischten Briten, sondern eine internationale Band: Brian Molko ist als Amerikaner in Belgien geboren, und danach mit seinen Eltern auf der ganzen Welt zuhause. Stefan Olsdal ist Schwede, nur Steve Hewitt kann sich als gebürtiger Brite bezeichnen. Molko und Olsdal kennen sich bereits aus Kindertagen, sie besuchen gemeinsam eine internationale Schule in Luxemburg. 14 Jahre später treffen sie sich zufällig in einer Londoner U-Bahn-Station und nehmen das zum Anlaß, eine Band zu gründen. Später stößt Steve Hewitt von den Boo Radleys dazu. Nach ein paar Singles auf kleinen Labels erscheint 1996 Placebos Debütalbum, die Single Nancy Boy begibt sich sogleich in die Top Ten der englischen Charts. Zur selben Zeit wird David Bowie auf Placebo aufmerksam und ist so begeistert von der jungen Band, daß er sie sofort für das Vorprogramm seiner Tournee verpflichtet. Danach supporten Placebo auch U2. Einen besseren Start kann man sich gar nicht vorstellen.
Without You I'm Nothing, das zweite Placebo-Album von 1998, beginnt ähnlich lärmig wie das Debüt, macht dann aber Platz für softe Balladen, was allgemein als Placebos Rückzug ins Introvertiert-Nachdenkliche, gewertet wird. Ein beeindruckender Auftritt in Todd Haynes' Glamrock-Streifen Velvet Goldmine, der im selben Jahr in die Kinos kommt, trägt zur Promotion des Albums bei, verleitet aber manche dazu, Placebo als Retroband abzustempeln: Das Trio spielt hier den T.Rex-Klassiker 20Th Century Boy. Zudem feiert die Single als Titelsong des Films Eiskalte Engel große Charterfolge. Spätestens jetzt stehen Placebo an der Spitze des Alternative Rock, und besitzen 2000 genug Selbstbewußtsein, um Black Market Music, ihr drittes Album, selbst zu produzieren. Es wird zu einer Mischung ihrer beiden vorhergehenden Alben - mal leise, mal laut. Zu Molkos stets persönlich gehaltenen Texten gesellt sich - Novum bei Placebo - diesmal auch eine politische Ebene: Die Krawalle während der WTO-Konferenz in Seattle (1999) und die Unruhen am 1.Mai in ihrer Heimatstadt London haben Spuren im Bewußtsein von Placebo hinterlassen.
Sleeping With Ghosts, das letzte Placebo-Album von 2003, wird von Jim Abiss produziert - ein Experiment, mit dem die Band ein neues Kapitel aufschlägt: Abiss ist eher im elektronischen Bereich unterwegs, dementsprechend modern fällt auch das Album aus, auch wenn Placebo immer noch eine Rockband bleiben. Seitdem läßt es die Band etwas ruhiger angehen: Ihre Compilation Once More With Feeling, ein Konzert mit Gastauftritten von Robert Smith (The Cure) und Frank Black (Pixies) und der Live8-Auftritt in Paris sind die letzten zu verzeichnenden Aktivitäten von Placebo.
Nach der Veröffentlichung von Meds im Jahr 2006 folgte eine umfangreiche Welttournee in gewohnter Besetzung. Den beiden Gründungsmitgliedern Brian Molko und Stefan Olsdal zufolge kam es im Anschluss allerdings immer wieder zu heftigen Diskussionen mit Schlagzeuger Steve Hewitt um die künstlerische Zukunft der Band. So trennten sich Placebo von jenem Mann, mit dem man gemeinsam vier Alben aufgenommen hatte. Für die Aufnahmen des 2009 veröffentlichten Albums Battle For The Sun engagierten Molko und Olsdal den jungen Kalifornier Steve Forrest, der ihnen aufgefallen war, als er im Vorprogramm eines Placebo -Konzertes mit seiner Band Evaline spielte.




