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Naidoo,Xavier

Geburtstag:

02.10.1971
Geburtsort:

Mannheim, Deutschland
Instrument:

Gesang
Komponist
Nachfolger:

Ayman
Ben

Naidoo,Xavier

Viel erfolgreichere Popstars als Xavier Naidoo gibt es hierzulande nicht. Vor allem keine, die öfter von Gott singen als er. Sein Album Nicht von dieser Welt (1998) verkaufte sich über eine Millionen Male. Nicht ganz von dieser Welt sind auch die Botschaften seiner Songs.

Die Qualen der Welt

Inzwischen hat er vermutlich alle wichtigen Preise abgeräumt. Zuletzt, im Jahr 2005, mit seiner Gruppe Söhne Mannheims die Goldene Stimmgabel. Doch auch vor gut drei Jahren ist Xavier Naidoo schon unglaublich erfolgreich. Am 17.08.2002 bekommt er die begehrte Comet-Trophäe, Kategorie bester nationaler Künstler. Seine Überraschtheit hält sich in Grenzen, er hat damit gerechnet. Mit der ganzen mimisch-arroganten Distanz eines vom Erfolg verwöhnten Menschen bedankt er sich am Rednerpult. Dabei hebt er seine Arme wie Flügel oder besser: wie ein Priester. Die Trophäe, kündigt er an, werde er versteigern lassen. Der Erlös solle den Opfern des Hochwassers zugute kommen. Gehässigere Kritiker, von denen hat Naidoo eine Menge, lästern über diese Hilfsaktion: Auch er, der selbsternannte "PR-Agent Gottes", müsse eben einiges dafür tun, um in den Himmel zu kommen. Aber eigentlich tut er ja längst genug: Kein deutscher Soulsänger preist den Herren inniger als Naidoo.

Die meisten Musikkritiker freilich bemerken Naidoos leidenschaftliche Hinwendung zu Gott erst auf seinem zweiten Soloalbum Zwischenspiel/Alles für den Herrn (2002). Doch tatsächlich erzählt auch sein Debütalbum Nicht von dieser Welt von Gott. Der Top-Ten-Erfolg Führ mich ans Licht richtet sich nicht etwa an eine imaginäre Geliebte, sondern an den Allmächtigen selbst. Die Nähe zu Gott ist für den am 2. Oktober 1971 in Mannheim geborenen dabei immer auch eine Frage schmerzhafter Erfahrungen und Prüfungen: "Warum tragen Weisheitszähne ihren Namen? Ich habe meine jedenfalls nicht entfernen lassen und bin die Schmerzen auf Knien winselnd durchgegangen. Das sind Momente, wo man Gott sehr nahe kommt." Wer weiß, was ohne tiefes Gottvertrauen aus Naidoo geworden wäre.

Bei Gott im Auto

Im bürgerlichen Mannheim-Wallstadt wächst Naidoo auf als Sohn einer Südafrikanerin und eines indischen Industrieschweißers. Nachbarskinder und Mitschüler hänseln ihn seiner dunklen Hautfarbe wegen, beschimpfen ihn als "Neger aus Kurpfalz". Naidoo beginnt das Kickboxen und schlägt zurück. Ebenso hart wie seine Gegner, oder härter. Gleichzeitig singt er im Kirchenchor. Nach der Mittleren Reife beginnt er eine Lehre als Koch, und noch Anfang der 90er Jahre arbeitet er als Türsteher in einer Diskothek. Er gilt als einer, der nicht zweimal verwarnt, bevor ein fremdes Nasenbein splittert. Kampferprobt schlägt sich Naidoo dann im Jahr 2000 mit seinem Entdecker und ehemaligen Produzenten Moses Pelham herum. Allerdings vor Gericht. Naidoo gewinnt. Grund des Streits sind die Söhne Mannheims, mit denen er außervertraglich Songs aufgenommen hat, was Pelham überhaupt nicht schmeckt. Nach dem Rechtsstreit ist Naidoos Karriere nicht mehr aufzuhalten: Er geht mit denSöhnen Mannheims auf Tour, nimmt Songs mit Komiker Michael Mittermeier und der Band Reamonn auf.

Wenig später gründen Naidoo und dreizehn weitere in Deutschland beheimatete Rap- und Reggaemusiker afrikanischer Abstammung den musikalischen Gegen-rechts-Verein Brothers Keepers, um ihr Statement zum rassistischen Status Quo Deutschlands abzugeben. Die Texte haben Warnungscharakter, sind für Hitparadenverhältnisse überaus deutlich. Seither hat Naidoos Radikalität nicht etwa abgenommen, sie hat nur ihre Stoßrichtung geändert: Auf dem Doppelalbum Zwischenspiel/Alles für den Herrn lässt sich der Sänger ein ums andere Mal zu einem alttestamentarischen Parforceritt hinreißen. Der Musikjournalist Martin Büsser nannte die erzieherisch-religiösen Texte deshalb schlicht "Rohrstockpoesie". Auch in anderer Hinsicht entpuppt sich Naidoo als eher "schräger Vogel": Seinen Geburtsort nennt er "Jerusalem", immerhin sei hier das Automobil erfunden worden; Autofahren hält er für einen Ausdruck göttlichen Willens: "In der Bibel steht: Die Berge werden sich senken. Wer Ezechiel genau liest, weiß, dass er das Auto meint." Als er 2001 wegen Trunkenheit am Steuer nicht fahren darf, muss das die Hölle auf Erden für ihn sein. Siebzig Autos in der Garage - und niemand, der aufs Gaspedal tritt.

Wettsingen in Schwetzingen

Im Jahr 2008 machen die Söhne Mannheims mit einer großen Live-Produktion von sich reden. Gemeinsam mit Xavier Naidoo nehmen sie das Unplugged-Doppel-Album Wettsingen in Schwetzingen auf.