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Massive Attack

Genre:

TripHop
Bandmitglieder:

  • Del Naja, Robert '3D'
    Gesang
    Mixing/Programming
  • *21.01.1966
  • Vowles, Andrew 'Mushroom'
    Keyboards
    Mixing/Programming
  • Marshall, Grant 'Daddy G'
    Keyboards
    Mixing/Programming
    Gesang
Nachfolger:

Spacek
Morcheeba
Lamb

Massive Attack

Massive Attack waren eine der innovativsten und einflussreichsten Bands der frühen Neunziger Jahre. Ihre stimmungsvolle Fusion aus Soul, Dance, Dub und Rap beeinflusste zahlreiche andere Bands

Ein Künstlerkollektiv als Vorläufer

Die späteren Mitglieder von Massive Attack beginnen schon, miteinander Musik zu machen, lange bevor das Bandprojekt angedacht ist. Bereits 1983 zählen Daddy G - mit bürgerlichem Namen heißt er Grant Marshall - Robert de Naja alias 3D und Andrew Vowles, der sich Mushroom nennt, zu den Gründungsmitgliedern eines Bristoler Künstlerkollektivs namens "The Wild Bunch", zu dem sich DJs, MCs und Graffiti-Sprayer zusammen gefunden haben. Besondern durch ihr Soundsystem wird der "Wild Bunch" zur lokalen Berühmtheit, zum Synonym für eine gute Party. Schon damals verfolgen die drei eine eklekzistische Herangehensweise an Musik. In ihren DJ-Sets mischen sie Punk mit Reggae, Soul mit Dance und R&B. Als den "Wild Bunch" in den späten Achtzigern Auflösungserscheinungen ereilen, beschließen Daddy G, 3D und Mushroom, ein eigenes musikalisches Projekt auf die Beine zu stellen: Massive Attack.

Eine Band trifft den Nerv der Zeit

Die ersten drei Jahre basteln Massive Attack im Stillen an ihrer musikalischen Melange aus Dub, HipHop, Dance-Beats und Soul. Dann erst erscheint die erste Single: Daydreaming (1990). Schon die zweite Single-Veröffentlichung Unfinished Sympathy (1991) bringt den Durchbruch, der nächste veröffentlichte Song Safe From Harm hält das Niveau und steigert die Neugier auf die immer noch ausstehende Veröffentlichung des Album-Debüts. Zu diesem Zeitpunkt haben Massive Attack sich temporär in Massive umbenannt, um ihrem Protest gegen den gerade stattfindenden zweiten Golfkrieg Ausdruck zu verleihen. Die Umbenennung löst einige Verwirrung aus, auch eine in dieser Zeit stattfindende Tour durch die USA floppt gewaltig. Das Album folgt später im selben Jahr und lässt diese kleineren Wirren sofort in Vergessenheit geraten. Es heißt Blue Lines und wird eigentlich sofort zu einem Klassiker. Die Schublade für dieses radikal neuen und doch sehr gefälligen Sound ist auch gleich gefunden: Trip Hop soll das Genre von nun an heißen. Massive Attack und der von ihnen begründete Stil werden in den nächsten Jahren viele andere Bands inspirieren.

Nach dem ersten Begeisterungssturm wird es jedoch erst einmal ruhig um Massive Attack. Ganze drei Jahre dauert es, bis man wieder von der Band hört - Unkenrufe über das vermeintliche One-Album-Wonder machen die Runde. Die Lästerer werden jedoch durch die zweite Albumveröffentlichung zum Schweigen gebracht. Mit Protection bringen sich Massive Attack wieder als kreative Speerspitze des Trip Hop in Stellung - auch wenn sich das Album vom Debüt stilistisch wenig unterscheidet. Lediglich der melancholische Grundton schlägt an einigen Stellen ? zum Beispiel bei der Single-Auskopplung Karmacoma - in offene Düsternis um. Mit diesem zweiten Album haben sie allerdings die kreativen Zenit des Genres aber auch erreicht. Eine gelungene Anermekung zu dem etwas überstrapazierten Trip Hop-Sound, der zu diesem Zeitpunkt schon zum Lieblings-Soundtrack der werbetreibenden Industrie geworden ist ? auch wenn Massive Attack selbst aus Prinzip mit ihren Stücken keine Werbung treiben lassen - bietet das Remix-Album No Proctection. In dem dreht Mad Professor das Album durch die Dub-Magel und lässt es noch schleppender klingen.

Neue Klangwelten und bandinterne Spannungen

Dass Trip Hop - trotz zahlreicher erfolgreicher Epigonen - seinen kreativen Zenit erreicht hat, scheint Massive Attack bewusst zu sein. Auch für ihr nächstes Album Mezzazine (1998) lassen sie sich wieder eine Menge Zeit - ganze vier Jahre. Um die Fans bei Laune zu halten, veröffentlichen sie zwischendurch noch eine EP - Risingson (1997). Die deutet an, wohin die musikalische Reise gehen soll: hin zu etwas düsteren, zerrisseneren Klänge, sogar die eine oder andere verzerrte Gitarre ist rauszuhören. Auch wenn Mezzazine schwerer zugänglich ist als die früheren Alben der Band, verkauft es sich doch gut. Auch die Tournee ist weitgehend ausverkauft. In dieser Zeit machen Massive Attack immer wieder durch Trennungsgerüchte Schlagzeilen. Ein bisschen Wahrheit steckt in diesen Gerüchten: Andrew Vowles verlässt die Band, weil ihm die neue musikalische Ausrichtung seiner Bandkollegen nicht behagt. Und besonders schwungvoll scheint die Zusammenarbeit auch für die beiden anderen nicht mehr zu sein. Immer wieder wird ein neues Album angekündigt und verschoben.

Zögerliche Bestandswahrung

Als es dann 2003 endlich zu Veröffentlichung des vierten Massive Attack-Albums 100th Window kommt, hat auch Daddy G die Band verlassen, um sich verstärkt um die Erziehung seiner Kinder zu kümmern. Das erstaunliche ist, dass das Album - obwohl die Songs mittlerweile nur noch von Robert De Naja produziert wird - immer noch eindeutig die Handschrift von Massive Attack tragen. Das ist Bestandswahrung auf hohem Niveau - wie sich auch an dem von ihm produzierten Soundtrack Danny The Dog zeigt.