Lindenberg,Udo
Gesang
Komponist
Lindenberg,Udo
Udo Lindenberg, der weltweit beste Panikrocker, darf für sich Anspruch nehmen, derjenige deutsche Musiker gewesen zu sein, der das Singen von Rocksongs in der Muttersprache nicht nur populär gemacht, sondern überhaupt erst eingeführt hat. 1946 in Gronau zur Welt gekommen, macht Lindenberg 10 Jahre später unmissverständlich klar: "Ich will ein Schlagzeug". Zwei weitere Jahre später wird sein Wunsch erhört. Ab 1962 ist Lindenberg, wie er selber immer behauptet, die ganze Zeit on the road. Er spielt in Armee-Kneipen, reist nach Tripolis und ab und zu zur Musikhochschule Münster. Über solche Umwege gelangt er 1968 dann schließlich auch in die Hansestadt Hamburg. Dort angekommen, freundet er sich mit dem Gedanken an, Seemann zu werden. Bevor er aber anheuern kann, lernt er Inga Rumpf kennen, ihres Zeichens Sängerin bei den "City-Preachers". Bei denen trommelt Lindenberg ein Jahr lang und gründet dann seine erste eigene Band unter dem Namen Free Orbit, bei der er nicht nur Schlagzeuger ist, sondern auch auf englisch singt.
Nach der ersten und letzten von "Free Orbit"-LP verschlägt es Lindenberg nach München, wo er auf den Saxophonisten Klaus Doldinger. So kommt es, dass Lindenberg kurzzeitig bei einer der renommiertesten Jazz-Combos Deutschlands die Trommelstöcke schwingt. Sein Engagement bei der Jazz-Rock-Truppe Emergency mündet immerhin in eine Album-Veröffentlichung, "Lindenberg" steht ab 1971 in den Läden. Dann macht irgendetwas bei Lindenberg "klick" im Kopf. Vielleicht aber war es auch nur die Kritik, die sich vor allen Dingen auf sein grauenhaftes Englisch bezog. Jedenfalls schreibt er jetzt Songs in deutscher Sprache.
Das erste Album heißt "Daumen im Wind" und ist nicht mehr als ein mittlerer Achtungserfolg. Sein zweites Album mit dem Titel "Alles klar auf der Andrea Doria" allerdings ist der Startschuss für ein Genre, das adäquat als Deutsch-Rock bezeichnet wird. Songs wie "Cello" oder "Mädchen aus Ostberlin" hatte es bis dato nicht gegeben. Lindenberg hat seitdem jedes Jahr mindestens ein Album veröffentlicht. Seinem Stil, der sich zu großen Teilen nicht musikalisch sondern textlich und durch seine Artikulation konstituiert, ist er seit mehr als 30 Jahren treu geblieben. Seine Fans danken es ihm: vom Album "Ball Pompös" wurden im Winter 1974/75 mal eben 70.000 Exemplare verkauft, von "Votan Wahnwitz" binnen zehn Tagen gar 160.000. Lindenberg war Vertragsmillionär. Was ihm nicht nur gut tat. Der chronische Hypochonder wuchs über sich und leider auch seine Kollegen hinaus. Bei der "Dröhnland Symphonie" hüpfte etwa ein Dutzend Pinguine über die Bühne, Subventionskönig Peter Zadek führte Regie und Eric Burdon kam als Special Guest. Erste Zweifel an Lindenbergs Kreativität wurden um 1979 laut, die sich dann in einen gerichtlich ausgetragenen Urheber-Streit zuspitzen sollten, am Ende aber doch außergerichtlich beigelegt wurden.
Seinen größten Hit hatte Lindenberg mit einem Text, den er über Glenn Millers "Chattanooga Choo Choo" intonierte. Der "Sonderzug nach Pankow" allerdings kam in Ostberlin nicht gut an. Nachdem eine geplante DDR-Tournee abgesagt wurde, schickte Lindenberg eine Lederjacke sowie eine Gitarre an den damaligen Staatschef Erich Honecker. Der revanchierte sich mit einer Schalmei inklusive Gravur. Für seine Biografie erhält er das Bundesverdienstkreuz, für sein Lebenswerk noch sehr viel mehr Auszeichnungen und von den Hotels, in denen er ausschließlich residiert stattliche Rabatte. Er förderte die Karrieren von Ulla Meinicke, Gottfried Böttcher und Lukas Hilbert bis zu einem Punkt, an dem er ihren Erfolg nicht mehr verhindern konnte. Und immer dann, wenn es mit der Musik nicht mehr ganz so hinhaute (wie während der 1990-er Jahre z.B.), malt er Bilder und stellt diese unter Titel wie "Arschgesichter und andere Gezeichnete" aus. Neben der Verwaltung seines Oeuvres kümmert sich Lindenberg nun mehr und mehr um weltweite Völkerverständigung. Mammutprojekte wie sein 2002 auf die Beine gestelltes Bühnenspektakel "Atlantic Affairs" oder Konzerte in China sind die Folge. Zusammengefasst: ohne Lindenberg kein Deutschrock. So einfach kann das sein.
Aktuellstes Werk ist das im März 2008 veröffentlichte Album Stark Wie Zwei mit dem der Deutsch-Rocker sich vier Wochen lang auf Platz 1 der deutschen Longplaycharts hält. Großartige Kollaborationen mit Steffi Kloß (Silbermond), Jan Delay, Helge Schneider und Till Brönner haben hierbei sicherlich eine nicht unwesentliche Rolle gespielt. Doch auch im September 2011 hat Lindenberg einen Goodie für seine Fans - ein MTV Unplugged - Live aus dem Hotel Atlantic.




