Hardy,Francoise
Ikone des Paris Pop: Françoise Hardy sieht unfassbar gut aus, hat Stil, schreibt Lieder, singt sie. Und macht es immer schon. Oder?
Mademoiselle Ye-Ye
Nein, so geschichtslos verbringt dann doch niemand sein Leben. Noch nicht einmal sie. Doch längst gehört Françoise Hardy zu den Heiligenbildern der Popkultur. Und wenn da von "Paris Pop" die Rede ist, dann ganz bewusst; schwingen im Namen der französichen Metropole doch all jene Assoziationen mit, die auch die 1944 geborene Allround-Künstlerin anklingen lässt. Beim ersten Hören. Als da wären: ein Leben mit der Mode, ein Jet Set-Leben, eine heitere Melancholie. Schon in den 60er Jahren, in denen Françoise Hardy schlagartig zum Star wird, begnügt sie sich nicht mit einer Rolle.
Zwar läuft zunächst alles auf eine glatte Karriere einer studierten Musikerin hinaus: 1961 das Hochschuldiplom und der erste Plattenvertrag. Ein Jahr später veröffentlicht die gerade mal 18-jährige ihre erste Single. Und gleich dieses Tous Les Garçons Et Les Filles startet senkrecht, schießt einmal in den Orbit, kehrt zurück und wurde einmal im gesamten bewohnten Universum gehört und geliebt. Das aufgepoppte Chanson enthält bereits alles, wofür bis heute der Name seiner Komponistin und Interpretin steht: getragener Duktus, heitere Melancholie und elegant rhythmisierte Melodiebögen kennzeichnen ihre Lieder bis zu den in den Nuller Jahren erschienenen Alben wie Tant De Belles Choses oder Parenthèses. Zunächst wird das Wunderkind aber durch die Medien gereicht, zum Teil des ersten französischsprachigen Rock-Hypes emporgeschrieben: als "Ye-Ye" wird sie bezeichnet, was nichts anderes bedeutet als die französische Übersetzung des Schlachtrufes "Yeah yeah".
Frag' den Abendwind
Tatsächlich steht sie vielleicht noch mehr als die ebenfalls unter dieses Etikett subsumierten France Galle oder Sylvie Vartan für eine französische Pop-Existenz. Denn in den 60ern gehört sie schnell zum internationalen Pop-Jetset, lässt sich von den angesagten Mode-Designern ausstatten, trifft die Beatles und Bob Dylan und läuft als Model über den Laufsteg. Weil, gut aussehen, das tut sie eh.
Beachtlich ist obendrein, dass es nie einen großen Knick gegeben hat in dieser beeindruckenden Karriere. Das schaffen eigentlich auch die Größten nie. Kein Jahrzehnt bis heute aber, in denen diese Frau nicht regelmäßig wundervolle Musik geschrieben und gesungen hat. So ist sie heute die Grande Dame des Chanson und von größtem Einfluss. Einer wie Benjamin Biolay wurde von ihr mitentdeckt. Und wenn es von einem internationalen Star sogar ein Album mit deutschsprachigen Versionen ihrer Hits gibt, dann, ja dann hat er oder sie es geschafft.
Frag' den Abendwind. Er wird es wissen.
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