Gainsbourg, Serge
Komponist
Textdichter
Gainsbourg, Serge
Serge Gainsbourg, Frankreichs wohl berühmtestes enfant terrible, hieß gutbürgerlich und auch nicht unschön Lucien Ginsburg. Geboren wurde Lucien am 2. April 1928 in Paris. Und nachdem er Nachfahre russisch-jüdischer Einwanderer ein bisschen Kunst und ein bisschen Pädagogik studiert hatte, wandte er sich der Malerei zu. Als sich diese aber als viel zu wenig lukrativ erwies, verdingte er sich als Bar-Pianist. Dann nahm er wahrscheinlich aus Geldsorgen und eher widerwillig eine Rolle in dem Musical Milord L'Arsoille an, die ihm vor allem deswegen Bauschmerzen bereitete, weil es sich dabei um einen Gesangspart handelte. Abgesehen von seinem Gesang war Gainsbourg nämlich unter keinen Umständen von seinem Äußeren überzeugt - war er doch schon mit Segelohren, einem kurios geformten Nasen-Zinken und Augenringen auf die Welt gekommen. Nichtsdestotrotz erschien im Jahr 1958 das LP-Debut des damals immerhin schon 30-jährigen.
Wenn es auch erfolgreichere Debuts gegeben haben mag - "Du Chant á la une" machte allen, auch Gainsbourg selbst, Mut auf mehr. Seine zweite LP, schlicht "No.2" betitelt, gehört noch heute zu den Essentialia der Popgeschichte, brachte aber ebenso wenig wie der Vorgänger den kommerziellen Durchbruch. Erst mit seiner dritten LP-Veröffentlichung "L'Etonnant Serge Gainsbourg" gelang es ihm, nicht nur national, sondern auch über die Grenzen Frankreichs hinaus für echte Aufregung zu sorgen. Nicht lange nach seine ersten Single-Erfolgen erkennt Gainsbourg, dass er sein weitreichendes musikalisches Talent noch sehr viel besser nutzen kann, wenn er Songs für andere Interpreten schreibt. So zählen Sänger und Sängerinnen aus der ganzen Welt schon bald zu seinen Klientel: Francoise Hardy, Dionne Warwick, Juliette Greco, Petula Clark und Marianne Faithful. Und das nur, weil die damals 16-jähirge France Gall mit einem seiner Songs erst berühmt und gleich danach unsterblich wurde.
Musikalisch begab sich Gainsbourg ab Mitte der 1960-er in Klausur. Er experimentierte mit Rhythmen und Skalen, Jazz und Weltmusik und einigem mehr. Übrigens auch Mit Brigitte Bardot, mit der zusammen er für eine kurze, aber hoch intensive Zeit DAS PAAR Frankreichs war. Dann lernte er die Frau kennen, in deren Nähe er sich die lange Zeit monogam verhielt. Mit Jane Birkin zusammen stöhnte er denn auch jenes berühmte und eigentlich für Bardot. 1971 veröffentlichte Gainsbourg eines der berühmtesten Konzeptalben der Popgeschichte: "L'histoire de Melody Nelson", in der es - der Titel weist darauf hin - um die Geschichte des Rotschopfes Melody Nelson geht. Im Anschluss zog sich Gainsbourg vermehrt ins Privatleben zurück, ohne jedoch darauf zu verzichten, dann und wann das Klischee, das er selber erfunden hatte, auch ordentlich mit Alkohol, Rauch und ein bisschen Boheme-Leben zu füllen. Nach einem nicht wirklich überzeugenden Statement gegen faschistoid-nationalsozialistische Politik, sorgt Gainsbourg 1979 erneut für einen handfesten Skandal, indem er die heilige französische National-Hymne in einer Reggae-Version veröffentlicht. Als seine jamaikanischen Mitmusiker bei einer Konzert-Reise durch Frankreich vor einer Reihe Weltkriegs-Veteranen auftreten sollen, ergreifen sie die Flucht. Die buhenden und schimpfenden Kriegs-Greise können Gainsbourg nicht beeindrucken. Er schmettert ihnen die Marseillaise in einer acapella Version vor die Füße und nimmt ihnen damit allen Wind aus den Segeln.
Er nimmt zwar weithin Alben auf, musikalisch betrachtet allerdings liegt seine beste Zeit hinter ihm. Sein Rabauken-Image pflegt er, wo immer er kann. Er verbrennt Geld, in einer TV-Live-Übertragung begrüßt er Whitney Houston mit den Worten "I would like to fuck you" und 58-jährig nimmt er sich in Sachen Liebe einer 32 Jahre Jüngeren an. Am 2. März 1991 findet ihn eine Freundin tot im Badezimmer. Als Todesursache wird später ein Infarkt angeführt. Am Tag seiner Beerdigung steht der Pariser Verkehr still. Gainsbourg übrigens hatte, was das angeht Vorsorge getroffen: "Ich habe eine Totenmaske von meinem Schwanz machen lassen, damit mich alle, die mich geliebt haben, weiterlieben können." Voilá!




