Etheridge,Melissa
Gitarre
Etheridge,Melissa
Melissa Etheridge könnte eigentlich ein All American Girl sein. Sie ist eine gebürtige Amerikanerin kaukasischen Typs und stolz darauf, sieht darüber hinaus auch noch (mit einem Cowboy-Hut) gut aus und hat mit David Crosby als Vater sogar schon zwei Kinder. Ganz nebenbei verkaufte sie so ungefähr 30 Millionen Schallplatten sehr populären Folk-Rocks. Allerdings ist Etheridge lesbisch und David Crosby war kein Lebensgefährte, sondern ein In Vitro Fertilisations-Samenspender. Als Etheridge acht Jahre alt war, zupft sie zum ersten Mal an den Saiten einer Gitarre. Im Alter von elf, so geht die Legende, schrieb sie ihre ersten eigenen Songs und mit 13 stand sie das erste Mal in ihrem Leben auf einer Bühne, um ihre Musik vor einem Publikum zum Besten zu geben. Nach der Schule und ungezählten Teen-Bands, in denen sie gespielt hatte, schrieb sie sich an einer Musikhochschule in Boston ein, die sie aber schon nach nur einem Jahr wieder verließ, um sich nach L.A. durchzuschlagen. Über Umwege kam sie wieder an die Ostküste - diesmal allerdings mit einem mehrmals die Woche Fest-Engagement. Bei einem dieser Gigs im Long Beach Club wurde sie entdeckt und von Island unter Vertrag genommen.
Ihr erstes Album erschien 1988 und wurde ein höchst erfolgreiches Debut. Der selbstbetitelte Erstling führte dazu, dass Etheridge schon bald als weiblicher Springsteen und mädchenhafter Mellencamp herhalten musste. Ein weiteres Jahr erscheint ihr Zweitling - und enttäuscht nicht. Im Gegenteil: die Rezeptur von ihrem Debut erneut anwendend, entgeht sie jeder Gefahr, sich künstlerisch angreifbar zu machen; wenn davon bei dieser Musik überhaupt die Rede sein kann. Ganz ähnlich erging es ihrem dritten Album-Werk, Never Enough. 1993 und genervt von Gerüchten, die rund um die Welt kolportiert wurden, setzte sie die Welt offiziell von ihrer Homosexualität in Kenntnis. Und die Promotion zieht: Das mit dieser Beichte im Zusammenhang stehende Album Yes I Am verkauft sich Schwindel erregende 6 Millionen Mal. Etheridge kriegt Grammys und unterstützt Demokraten - das nennt man in den USA arriviert. Nach Your little secret und einer dreijährigen Babypause meldete sie sich 1999 mit dem Album Breakdown zurück. Wenn auch nicht ganz so gewaltig einschlagend wie Yes I Am sichert sich Etheridge mit diesem Album ihren verdienten Platz in der Ehrenloge amerikanischer Middle of the Road-Künstler.
Im Jahr 2000 trennte sie sich von ihr langjährigen Freundin und verarbeitete diese anscheinend äußerst schmerzhafte Erfahrung in ihrem 2001 erschienenen Album Skin. Die Verarbeitungsleistung scheint beachtlich gewesen zu sein, denn schon 2003 heiratet sie ihre neue Lebenspartnerin. Und 2004 wartete Etheridge mit der Neuigkeit auf, sie leide unter Brustkrebs. Inwiefern sie sich von der Diagnose zum Titel für das im gleichen Jahr erscheinende Album hat beeinflussen lassen, ist ungeklärt - die Scheibe heisst: Lucky.




