Deine Lakaien
Deine Lakaien
Deine Lakaien sind so etwas wie die intelligenten Sisters of Mercy Deutschlands. Pathetisch und apokalyptisch wie Eldritch, dabei aber eine gehörige Portion subtiler, komplexer und im Ergebnis dadurch musikalisch aufregender. Diese Tatsache dürfte in der Hauptsache dem multiple begabten Ernst Horn geschuldet sein, einem an den Hochschulen Hamburgs und Freiburgs geschulten Musiker, der Anfang der 1980er Jahre unter anderem als Dirigent in München arbeitete. Auf die von ihm geschaltete Anzeige, meldete sich nur wenig später Alexander Veljanov. Er sei der "experimentierfreudige Sänger", nach dem Horn suche.
Veljanov, der eigentlich des Films und Theaters wegen nach München gekommen war, und Horn brauchten nicht lange, um die gemeinsamen musikalischen Vorlieben auszumachen und gründeten 1985 letztendlich das Projekt Deine Lakaien. Nur ein weiteres Jahr später erschien ihr erstes Album. Schlicht Deine Lakaien tituliert, bahnte es sich lange als Geheimtipp geltend einen Weg durch die Indieszene. Dass bis zum Nachfolger allerdings mehr als fünf Jahre vergingen, wird vor dem folgenden Hintergrund erklärlich; weder Horn noch Veljanov konnten von dem Projekt Deine Lakaien leben. Dass mehr oder minder in der Freizeit betriebene Projekt gestaltete sich auch in den Augen der Macher als ein Zeitvertreib. Ein anderer Grund dürfte sein, dass sich das Zwei-Mann-Projekt nie ernsthaft darum sorgte, wie und auf welche Weise Deine Lakaien auch live würden auftreten können.
All das änderte sich mit der Veröffentlichung ihres zweiten Albums Dark Star, dass das Licht der Welt 1991 erblickte. Ausgestattet mit fähigen Musikern, einer ausgefeilten Lights-Show und so live wie nur irgendwas, avancierte die Band auf der dem Album Dark Star gewidmeten Tour zur einschlägigen Kult-Band. Dazu bei trug in nicht unerheblichen Maße auch, dass einige der nun immer häufiger gespielten Songs der Band sich auf den Tanzflächen so genannter alternativer Clubs größter Beliebtheit erfreuten. Vom Hobby-Darkpopper bis zum Vollzeit-Grufti kam niemand mehr an den Lakaien vorbei.
Einen draufsetzen geht immer noch. Ihren bundesweiten Durchbruch feiern die beiden schließlich mit ihrem dritten Album Forest Enter Exit, das 1993 bis in die deutschen Albumcharts schaffte. So ähnlich und noch viel besser erging es dann auch sämtlichen Nachfolge-Alben, von denen es das 1999er Werk Kasmodiah sowie das im Jahr 2002 erschienene White Lies gar bis unter die besten Zehn schafften.
In der Folge widmeten sich die beiden zunächst ihren zahlreichen anderen Projekten. So bemühte sich Veljanov um die Veröffentlichung von Solo-Material und Ernst, wenn nicht gerade mit mittelalterlicher Musik beschäftigt, komponierte für Film, Funk und Fernsehen. 2003 wird neben einer B-Seiten-Sammlung, die schlicht 1987 heißt, auch ein Doppelpack Live-CDs veröffentlicht, die das Warten bis auf die erst 2005 erscheinende Scheibe April Skies verkürzen sollen. Das nunmehr achte Studioalbum der Lakaien bescherte den Musikern ein unerwartet breites Medien-Echo. Die daraufhin veranstaltete Tour wird fast wie von selbst zu einem Triumphzug.




