Cocker,Joe
Cocker,Joe
Der Mann mit der Reibeisenstimme stammt passenderweise aus der englischen Stahl-Arbeiter-Hochburg Sheffield. Dort unternahm er auch die ersten zarten Versuche, sich als Musiker bzw. Sänger zu etablieren. Seit er 15 ist, tritt er in unterschiedlichsten Bars, Kneipen und anderen mehr oder minder anrüchigen Lokalitäten auf und ersingt sich einen Ruf als R&B-Lokalmatador.
Nach der Schule beginnt er, als Gasinstallateur zu arbeiten - den Gesang aber gibt er nicht auf. Nach Feierabend tritt er unter dem Pseudonym Vance Arnold and the Avengers in so ziemlich allen Läden Sheffields auf. 1963 ist es Cocker, der nicht länger den Vance Arnold geben möchte, ernst mit dem Versuch, ein professioneller R&B-Sänger zu werden. Er ist, nachdem er seinen Job als Installateur an den Nagel gehängt hatte und einen Vertrag bei Decca unterschrieben hatte, hauptberuflich Musiker. Seine Backingband heißt The Greaseband und im Prinzip macht er nichts anderes als das, was er nach Feierabend sowieso schon immer tat: auf einer Bühne stehen und Soul- und Rock-Songs interpretieren. Bald tritt er in ganz England auf.
Der Stimm-Interpret, der nie großen Wert darauf gelegt hat, auch als originärer Autor in die Annalen der Popmusikgeschichte einzugehen, feierte seinen ersten Erfolg standesgemäß mit einer Coverversion. Es handelte sich dabei um eine Version von With a little help from my friends. Und als er diese auf dem legendären Woodstock-Festival zum Besten gab, war sein Durchbruch zu einem Popstar von Weltrang beschlossene Sache. Es brauchte noch einen weiteren Hit, bevor er in den USA seine erste große Tour würde starten können. Der kam schon 1970 und trug den Titel The Letter. Die sich an diesen Erfolg anschließende "Mad Dogs and Englishmen"-Tour war popularitätstechnisch ein voller Erfolg. Organisiert vom Bassisten und ZZ Top-lookalike Leon Russell entstehen daraus sowohl ein Live-Album, als auch ein Konzert-Film. Allerdings erweist sich die Tournee finanztechnisch als Desaster sondergleichen, an deren Ende Cocker mit immerhin $57,- Dollar Gewinn nach Hause geht.
Von diesen Erfahrungen nicht sonderlich motiviert, schaute Cocker immer tiefer ins Glas und die frühen 1970er werden für Cocker zu einer seiner unproduktivsten Perioden. Erst um 1974 hat er sich soweit erholt, dass er wieder aufnehmen und auftreten kann. Als ob sich seine Fans dafür bei ihm bedanken wollen, gelingt ihm auf der Stelle ein großer Hit. Die Ballade You are so beautiful markiert Cockers erstes Comeback. Mit Disziplin und Regelmäßigkeit nimmt er weiterhin Alben auf und veröffentlicht Singles, aber einen Charterfolg kann er erst 1982 wieder vorweisen. Das Duett mit Jennifer Warnes bringt Cocker, der bei Auftritten vor allem durch seinen spastisch-epileptischen Tanzstil von sich reden macht, wieder auf die Pop-Agenda.
Wenn auch nicht mit der Regelmäßigkeit seiner früheren Jahre, ist Cocker nach wie vor als Interpret erfolgreich. So alle fünf bis sieben Jahre gelingt ihm ein wirklich großer Chart-Hit. Nach Up where we belong von 1982 war es 1987 Unchain my heart. Und so ziemlich genau wieder fünf Jahr später gelingt ihm ein ähnlicher Coup mit dem Album bzw. der Single Night Calls. Unterbrochen wird die Strähne von seinem 1994er Summer in the City-Erfolg.
Es erscheinen in der Folge noch ein paar weitere Best Of-Compilations und Wiederveröffentlichungen längst vergessenen Materials, aber abgesehen von ein paar wenigen, der Erinnerung an die seligen Tage des Rock geschuldeten Auftritte, lebt Cocker
zurückgezogen in Colorado.
2010 meldet er sich mit einem neuen Album zurück. Hard Knocks erreicht sofort Platz 1 der deutschen Charts.




