Brassens, Georges
Textdichter
Brassens, Georges
Georges Brassens zählt zu den einflussreichsten Textdichtern und Interpreten, die Frankreich im 20. Jahrhundert hervorgebracht hat.
Einfach und gut
Jacques Brel und Edith Piaf mögen die bekanntesten Namen des Chansons sein; innerhalb Musiker-Kreisen wird dieses Duo allerdings stets um einen weiteren Namen ergänzt: Georges Brassens. Mit seinen einfachen Chansons, seinem Humor und seiner Art, feine Poesie mit Gossensprache zu verweben hat er weit mehr als nur die Chansoniers und Chansonières Frankreichs nachhaltig geprägt. Zu seinen bekanntesten Titeln zählen Les Copains D'abord, Mourir Pour Des Idées und das von Franz-Josef Degenhardt ins Deutsche übersetzte Anti-Todesstrafen-Chanson La Gorille (Vorsicht Gorilla).
Schon als kleines Kind lernt der 1921 im Mittelmeerstädtchen Sète geborene Sohn eines französischen Bauunternehmers und einer aus Neapel stammenden Mutter Mandoline spielen. Im Alter von 15 Jahren schreibt er bereits seine eigenen Chansons. Mit dem Umzug nach Paris 1939 verbindet der Anti-Konformist große Hoffnungen. Er veröffentlicht 1942 seinen ersten Gedichtband "A La Venvole" und hofft, als Textdichter in der dortigen Kabarett-Szene Fuß fassen zu können. Doch das wird zunächst schroff verhindert: Brassens wird von den Nazi-Truppen als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt. Zurück in Paris schwört er sich 1946, Deutschland nie mehr zu betreten.
Endlich Patachou!
Der Krieg ist zu Ende und Brassens orientiert sich neu. Bei einer so mittellosen wie großzügigen Gastgeberin findet er Unterschlupf, veröffentlicht 1946 bis 1947 Texte in der anarchistischen Zeitschrift "Le Libertaire", die allerdings finanziell keinen großen Unterschied zur späteren Arbeitslosigkeit ausmachen. Doch am 6. März 1952 stellt er der Sängerin und Kabarett-Inhaberin Patachou einige seiner Lieder vor, in der Hoffnung, sie könnte vielleicht einige davon interpretieren. Sie ist begeistert - nicht nur von den Chansons, sondern auch von der Art und Weise, wie Brassens sie vorträgt. Aufgrund der Bitte dieses Pariser Stars überwindet Brassens seine Bühnenangst. Zusammen mit Pierre Nicolas, seinem von da an ständigen Begleiter auf der Doppel-Bass-Gitarre, spielt er in den Kabaretts und Konzerthallen der Stadt. Gemeinsam mit dem kämpferischen Léo Férré spielt er außerdem immer für anarchistische Federationen, wenn er darum gebeten wird.
Die libertäre Bewegung schätzt an ihm, dass er gegen jede Konvention ansingt und auch mal explizit politische Themen angeht wie in La Gorille. Das führt in den 60er Jahren dazu, dass sich fast alle der politisch interessierten Liedermachern in beiden Teilen Deutschlands, im Osten Biermann, im Westen Degenhardt und Süverkrüp, auf Brassens berufen. Seine Melodieführung ist einfach, und dennoch bleibt man dran an seinen Chansons. Das mag an der speziellen Art des Komponierens liegen: Brassens schreibt zuerst den Text, klopft dann mit der Hand auf den Schreibtisch, bis er einen passenden Rhythmus für die Sprache gefunden hat. Erst zuletzt entwickelt er aus dem Zusammenspiel von Wortklang und Rhythmus die dazu passende Melodie. Das bringt ihm auch die Bewunderung von Zeitgenossen wie Brel, Moustaki und Henri Salvador ein.
Und auch die vom verhassten Staat: schon lange vor seinem Tod 1981 - Brassens stirbt an Nierenkrebs in der Nähe seiner Geburtsstadt - zählen seine Gedichte und Liedtexte zu den Lehrplänen an französischen Schulen und Universitäten. Bis heute sind sie mögliche Themen für Abi und Habilitation.




