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Abba

Bandmitglieder:

  • Andersson, Benny
    Keyboards
    Komponist
    Produzent
  • *16.12.1946
  • Ulvaeus, Björn
    Gitarre
    Gesang
    Komponist
  • *25.04.1945
  • Andersson,Anni-Frid Lyngstad Fredriksson
    Gesang
  • *15.11.1945
  • Faltskog, Agnetha
    Gesang
  • *05.04.1950

Abba

380 Millionen verkaufte Tonträger weltweit. Diese Zahl gehört zu Abba, der berümtesten schwedischen Musikgruppe.

Als ABBA beim Grand Prix Eurovision de la Chanson (Eurovision Song Contest) 1973 mit Waterloo ihren ersten Hit landen, waren die Mitglieder Björn Ulvaeus, Benny Andersen, Agnetha Fältskog und Anni Frid Lyngstad längst mit allen musikalischen Wassern gewaschen. Die beiden Herren der Schöpfung waren schon seit Mitte der 1960er Jahre in der skandinavischen Musikszene aktiv - Andersson bei den schwedischen Beat-Pionieren "Hep Stars" und Ulvaeus bei den "Hootenanny Singers", einer Folk-Rock-Truppe. Auch für Agnetha Fältskog und Anni Frid Lyngstad waren die ersten Erfahrungen mit dem Pop-Musik-Bizz zum Zeitpunkt der ABBA-Gründung schon Vergangenheit - beide hatten als Sängerinnen relativ erfolgreich in den schwedischen Charts mitgemischt. ABBA wiederum konnte entstehen, weil Ulvaeus und Andersen um 1966 begonnen hatten, miteinander an Songs zu feilen. Aber weder war das ihre einzige musikalische Betätigung, noch war diese von Erfolg verwöhnt. Man tanzte auf vielen Hochzeiten. Und irgendwann in der Zwischenzeit traf Ulvaeus auf Fältskog und Andersen auf Lyngstad. Man verliebte sich und heiratete; Ulvaeus und Fältskog schon etwas früher, 1971, Andersen und Lyngstad etwas später, 1978.

Musikalisch allerdings arbeiteten alle vier schon seit 1970 zusammen. Die erste gemeinsame Veröffentlichung des Quartetts, das zunächst entweder als "Festfolk-Quartet" oder "Engaged Couples" auftrat, hieß People Need Love. Allerdings nannte man sich damals noch umständlich Björn & Benny, Agnetha & Frida. People Need Love war ein schwedischer Superhit. Und weil's so gut lief, produzierte man gleich ein ganzes Album. Das Titelstück Ring Ring wurde zum zweiten amtlichen Hit des Quartetts und verschaffte ihnen die Eintrittskarte zu den schwedischen Vorausscheidungen des Grand Prix Eurovision de la Chanson 1973 - Ergebnis: 3. Platz. Ein guter Anfang - definitiv aber steigerungsfähig. Ihr Manager Stig Anderson schlug einen umgänglicheren Namen vor und so einigte man sich auf ABBA: Agnetha - Björn - Benny - Anni-Frid. 1974 und damit schon ein Jahr nach der Bronze-Medaille konnten sie den Wettbewerb mit Waterloo für sich entscheiden. Das war der popmusikalische Ritterschlag. Und, wenn man so will, waren ABBA von diesem Zeitpunkt an bis 1982 auf Kreuzzug. Der ist bis heute unerreicht.

In den knapp 10 Jahren ihres Bestehens landete die Gruppe eine unglaubliche Anzahl an Hits. Die Waterloo-Nachfolger heißen: S.O.S, Fernando, Mamma Mia, Dancing Queen und Money, Money, Money. Und nur zwei Jahre nachdem sie mit dem Song, der zumindest geographisch gesehen Verlierer-Assoziationen nahe legt, als Grand Prix - Gewinner reüssierten, veröffentlichen sie die erste Greatest Hits-Compilation - zu einer Zeit, in der niemand sich traute, sein erstes Album so zu titulieren, war das noch was wert...

Doch damit nicht genug: ABBA legten Hit um Hit nach: Knowing me, Knowing you, The name of the game, Take a chance on me. Die Hit-Fabrikanten aus Schweden sehen sich schon 1979 gezwungen, Greatest Hits Vol. 2 zu veröffentlichen. Aber nicht nur gelangt der unglaublich clevere Mix aus Disco, Pop und Schunkelmelodien über das Radio und die Tonträger in Hörerohren - ABBA selbst touren praktisch unentwegt durch die ganz Welt; sie geben Konzerte, sie treten in TV-Shows auf, sie drehen einen Film - aus heutiger Sicht darf man diesen wohl als eines der ersten Musikvideos überhaupt bezeichnen. Sieht man sich Aufzeichnungen aus der damaligen Zeit heute an, dann fragt man sich vor allem: wie groß können Blasen sein, die man sich beim Plateau-Schuh-Tragen holt?

Bis zu ihrer endgültigen Ruhephase 1982 hielten sich ABBA mit Hits wie Super Trouper, Gimme!Gimme!Gimme! und The winner takes it all in den Charts. Aber die Überdosen Erfolg der vergangenen Jahre hinterließen bei den Mitgliedern der Band tiefe Spuren. Beide Ehen hielten nicht: Ulvaeus und Fältskog trennten sich in dem Jahr, in welchem Andersson und Lyngstad heirateten. Die Trennung zwischen Andersson und Lyngstad 1981 läutet dann auch das Ende der Hitmaschine ABBA ein. In diesem Jahr erschien das letzte offizielle Album The Visitors, und 1982 die letzte offizielle Single Under Attack. Und dann war ABBA am Ende. Lyngstad und Fältskog nahmen in der Folge noch diverse Solo-Scheiben auf und landeten sozusagen als Nebenwirkung noch ein paar unbedeutende Hits. Diese Nebenwirkung hielten bis zur letzten Solo-Veröffentlichung Agnetha Fältskogs aus dem Jahre 2004 an - Platz 11 der englischen Charts für If I thought you'd ever change your mind - und das 23 Jahre nach dem Ende von ABBA.

Ulvaeus und Andersson arbeiten seit dem offiziellen Ende der Hitmaschine ABBA 1983 daran, dass die Hitmaschine kein offizielles Ende hat. Nicht nur kümmern sie sich erfolgreich um die Vermarktung des immer noch enorm lukrativen Goldesel-Projektes ABBA und allem, was da an Rechten so dranhängt; sie haben außerdem mehrere Musicals produziert, von denen mindestens zwei als außergewöhnlich erfolgreich eingestuft werden können. Zum einen war das Chess aus dem Jahre 1984, dass sich die beiden Ex-Abbaisten zusammen mit dem "EVITA"-Texter Tim Rice ausdachten - erinnernswert vor allem wegen des Stücks One night in Bangkok, das gesungen von Murray Head zu einem 1980-er Hit aller erster Güte wurde. Das zweite Musical, mit dem Ulvaeus und Andersson weltweite Erfolge feiern konnten hieß Mamma Mia und wurde auf den Tag genau ein Vierteljahrhundert nach dem Waterloo-Erfolg in London uraufgeführt. Die Handlung des weitesgehend plot-freien Musicals beschränkt sich in großen Teilen auf das Performen der in der jeweiligen Landessprache gesungenen ABBA-Hits.

Die Ursachenforschung hinsichtlich dieses Phänomens allerdings stellt sich als nicht ganz leichtes Unterfangen heraus. Zunächst einmal überzeugten alle Gruppenmitglieder durch das Image des Sauberen und Ordentlichen. Die Beziehungen der Gruppenmitglieder untereinander taten ihr Übriges - alles in allem boten ABBA keine, aber auch nicht nur einen Quadratzentimeter Angriffsfläche. Demnach wurden ABBA auch nie in irgendwelche Bettgeschichten oder Drogenskandale verwickelt; auch wenn die Raumschiff-Anzüge und Plateau-Stiefel from Outerspace eher an Sun-Ra, Funkadelic und The Undisputed Truth erinnerten. Am Erfolg nicht unbeteiligt dürfte auch ihr Manager Stig Anderson gewesen sein, der schon 1997 starb. Denn während die Sound-Tüftler um Björn und Benny, maßgeblich waren das Michael B. Tretow als Sound-Techniker und Anders Eljas als Arrangeur, an Mikrofon-Positionierungen und Hall-Effekt-Einstellungen schraubten, organisierte Anderson Auftritte, Interviews und Plattendeals weltweit. Alles in allem: Meister-Proper-Pop für die ganze große Welt.