Ärzte,Die
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Felsenheimer, Dirk
Schlagzeug
Gesang -
*14.12.1962
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Gonzalez, Rodrigo
Gitarre
Bass -
*11.08.1968
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Runge, Hans
Bass -
*12.06.1964
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Liebing, Hagen
Bass -
*18.02.1961
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Vetter-Marciniak, Jan
Gitarre
Gesang -
*27.10.1963
Ärzte,Die
Die Geschichte der deutschen Fun-Punk Band Die Ärzte erzählt man am besten in zwei Teilen. Der eine umfasst die Zeit von 1980 bis 1988. Der andere beginnt im Jahre 1993 und dauert bis zum heutigen Tag.
Die Ärzte, von jeher eine 3-Mann-Combo, bestehen seit ihrer Gründung aus dem Gitarristen und Sänger Jan Vetter, genannt Farin Urlaub, und dem Trommelstab schwingenden Dirk Felsenheimer, genannt Bela B., und insgesamt drei Bassisten. Der erste von ihnen hieß Hans Runge aka Sahnie und war Ärzte-Bassist bis 1986. Der zweite nannte sich The Incredible Hagen und blieb bis zum Ende des ersten Ärzte-Lebens 1988. Nach der Wiederauferstehung im Jahre 1993 hatten die Ärzte die Nase voll von der Bassisten Fluktuation. Aus diesem Grund kümmert sich Rodrigo Gonzalez seit jener Zeit um diese Saiten der Ärzte. Inzwischen darf er als vollwertiges Mitglied der Ärzte-Praxis betrachtet werden. Die Assistenz-Ärzte Hagen Liebing und Hans Runge hatten es nicht soweit gebracht.
Man kann den unterschiedlichsten Versionen der Entstehungsgeschichte der Ärzte nur bedingt Glauben schenken. Ihnen allen gemeinsam sind folgende Fakten: Farin Urlaub und Bela B. treffen sich um 1980 im Punkschuppen "Ballhaus Spandau". Bela spielt zu dieser Zeit in einer Band namens Soilent Grün, in die Farin einsteigt. Die Band besteht bis 1982 und auf dem Abschiedskonzert im SO36 eröffnet eine junge unbekannte Band aus Düsseldorf: die Toten Hosen...
Bela B. und Farin Urlaub machen als Die Ärzte weiter Musik. Zusammen mit dem Bassisten Hans Runge nehmen sie bis 1984 eine kleine EP auf und können sich mit Beiträgen auf Punk-Samplern einen ersten Ruf erwerben. Der wird durch den Gewinn des mit 10.000 Mark dotierten "Berliner Senats Rock Wettbewerb" zumindest vorerst und aus Sicht der Ärzte bis ins unermessliche gesteigert. Es folgen die Mini-LP "Uns geht's prima" und im Anschluss daran Unterlassungsklagen vom Deutschen Roten Kreuz, weil das Cover von "Uns geht's prima" aus einem roten Kreuz auf weißem Grund besteht - verwirrte Konzertbesucher hätten angeblich Blut spenden wollen...
Das Marktpotential der Quacksalber wird zunächst vom Label Columbia erkannt, das sie schließlich unter Vertrag nimmt. Noch im selben Jahr erscheint das Debüt-Album Debil. Der LP-Auftakt markiert gleichzeitig ihren Durchbruch. Denn nicht nur die Single-Hits Zu spät und Paul befinden sich auf dem Album; auch die später indizierten Songs Claudia hat 'nen Schäferhund und Schlaflied wurden hier zum ersten Mal veröffentlicht. Aus lauter Spaß an der Freud legen die Ärzte nur ein Jahr später mit ihrem zweiten Album Im Schatten der Ärzte nach und bereits 1986 folgte die Veröffentlichung des dritten Studioalbums "Die Ärzte", dessen Cover nur noch Farin und Bela zierte. Denn Hans Runge war bereits kein Mitglied der Band mehr. Der Erfolg der ersten beiden LP-Veröffentlichungen schien Sahnie zu Kopf gestiegen zu sein. Gegen Zahlung von 10.000 DM verließ Sahnie die Band und kümmerte sich wieder um sein BWL-Studium. Die Bass-Parts wurden von The Incredible Hagen alias Hagen Liebing übernommen.
Noch im selben Jahr hörten die drei zum ersten Mal von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften: Die wiederum setzte erst Debil und Anfang 1987 ihre jüngste Veröffentlichung "Die Ärzte" auf den Index. Und wieder einmal bietet sich an dieser Stelle die Möglichkeit, darüber zu diskutieren, inwieweit Verbote oder Indizierungen dem Zweck der Sache dienen, also in diesem Fall dem Schutze Minderjähriger. Denn der Popularität der Ärzte waren die Aktivitäten der Bundesprüfstelle keinesfalls abträglich. Im Gegenteil: Die Fans betrachteten die Verbote als Ritterschläge. Auch Boykotte durch Konzerne wie Karstadt oder Airplay-Verbote bei den Öffentlich-Rechtlichen verfehlten ihr Ziel. Mit Mini-LPs, Sondereditionen und Diese-CD-darf-aus-Jugendschutzgründen-nicht-an-Jugendliche-unter-18-verkauft-und-öffentlich-nicht-beworben-werden-Aufklebern auf ihren Veröffentlichungen hielten die Ärzte dagegen und ihre Fans dankten es ihnen. 1988 wollten die Ärzte sich auflösen und zu diesem Zweck eine letzte Studio-LP einspielen und veröffentlichen. Das ist nicht die ganze Wahrheit wurde das bis dato erfolgreichste Ärzte-Album. Angeführt von den Über-Hits Elke und Westerland und zusätzlich angeheizt von den Gerüchten um eine mögliche Trennung verkauft sich das Album so gut wie Gummistiefel im Wattenmeer. Während der dazugehörigen Abschiedstour, die in einem von vielen als historisch betrachteten letzten Konzert in Westerland auf Sylt gipfelte, nahmen die Ärzte das dreifach live Album Nach uns die Sintflut auf: 37 Songs, 2 CDs, fettes Booklet - so was hatten die deutschen Charts noch nicht gesehen. Zum Dank landete Nach uns die Sintflut auf Platz eins.
Nach ihrer Auflösung reichen die Ärzte noch eine Veröffentlichung nach. Diese enthielt nicht nur Sampler- und Compilation-Beiträge der allerersten Stunde, sondern auch zwei Neukompositionen. Platz eins erreicht die Scheibe zwar nicht, aber erfolgreicher als die Solo-Bemühungen der beiden Ober-Ärzte Farin Urlaub und Bela B. zusammen, war sie allemal. Inwieweit der Misserfolg der Solo-Projekte Einfluss auf die Entscheidung genommen hat, die Ärzte wiederauferstehen zu lassen, lässt sich nicht sagen. Fest steht: Seit 1993 heißt der Bassist der Ärzte unverändert Rodrigo Gonzalez. Vielleicht also war es der Mann am Bass, der das Duo zum Trio komplettierte... 1993 jedenfalls erschien Die Bestie in Menschengestalt. Und die Fans taten so, als wären die Ärzte nicht ganze fünf Lenze, sondern nur zu einer kurzen Stippvisite weg gewesen. Die Bestie verkaufte sich wohl auch dank des Anti-Nazi-Aufrüttler-Songs Schrei nach Liebe aller bestens. Nur ein Jahr später warten die Ärzte mit einem Best-of Album auf, das vor allem durch seinen Titel besticht: Das Beste von kurz nach früher bis jetze. Nach dem sehr in die Nähe von Deutsch-Pop gerückten Die Bestie in Menschengestalt ist sowohl diese, als auch die beiden Nachfolgeveröffentlichungen "1,2,3,4 - Bullenstaat" und Planet Punk aus dem Jahre 1995 als eine Maßnahme anzusehen, der alten Dame Punk ein wenig den Hof zu machen und die Fahne für das hochzuhalten, was man als seine Wurzeln glaubt, identifizieren zu können. Mit Erfolg. Die Ärzte erreichen gerade mit dem Album Planet Punk nie für möglich gehaltene Verkaufszahlen, ihre Tourneen sind bis auf die letzte Karte ausverkauft und auch Material aus ihrem Backkatalog geht weg wie warme Semmeln. Geschickter weise betreiben die Ärzte darüber hinaus eine Fan-Politik, wie sie ihresgleichen sucht: Sonderveröffentlichungen, Spezial-Editionen und Geheimkonzerte. Und das alles ganz exklusiv für Fanclubs und andere Wir-können-nicht-ohne-die-Ärzte-Fans. Demnach ist die zwischen Band und Fans herrschende Loyalität und Verbundenheit eine der tragenden Säulen des Erfolges der drei einzigen praktizierenden aber nicht approbierten Ärzte Deutschlands. 1996 überraschen die Herren Doktoren mit einem Konzeptalbum über Haare. Weniger überraschend fällt der Titel aus: Le Frisur. Nur ein Jahr später beginnen die Arbeiten zum 12. Studioalbum der Ärzte. Logischerweise wird es 13 genannt. Zusammen mit der Single Männer sind Schweine wird es 1998 veröffentlicht und mausert sich zum bisher erfolgreichsten der Ärzte-Album aller Zeiten. Es folgen Touren, Touren und nochmals Touren, an denen die Band - darf man den Gerüchten trauen - fast zerbricht. Nach einer halb-jährigen Regenerationsphase wird dann ein aus diversen Live-Mitschnitten zusammengestelltes Live-Album veröffentlicht, das einmal mehr Verkaufsrekorde bricht.
Das neue Jahrtausend beginnen die Ärzte mit einem neuen Studio-Album. Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer. Das ist zwar nicht ganz so erfolgreich wie seine Vorgänger, aber Schlagzeilen machen die Ärzte trotzdem. Für die 30-sekündige Single Yoko Ono ist ihnen ein Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde sicher. Einer der Fanclubleiter veröffentlicht eine Ärzte-Biographie, mit der die Ärzte dann auf Lesetour gehen. Und 2002 feiern sie ihr 20-jähriges Bandjubiläum, das logischerweise 15 Jahre netto heißt. Außerdem werden den Ärzten als dritte deutsche Band nach den Fanta 4 und Herbert Grönemeyer die Ehre zuteil, ein MTV-unplugged Konzert zu bestreiten und aufzunehmen. Und wie schon so oft, tanzten die drei ganz positiv aus der Reihe. Denn das Unplugged-Konzert wurde in einer Hamburger Schulaula mit der Unterstützung von Schülern dieser Schule aufgenommen. Ein halbes Jahr später erscheint die DVD-Dokumentation Rock'n'Roll Realschule. Im Jahre 3 nach der Jahrtausendwende nehmen die Ärzte ihr vorerst letztes Studioalbum Geräusch auf. Betourt wird die Platte mit Vorbands wie Fettes Brot oder auch den wieder auferstandenen Village People. Und auch die "Jenseits der Grenzen des Zumutbaren"-Tour wird tonträgertechnisch festgehalten und 2004 auf den Markt geworfen. Die Band, die sie Pferd nannten muss schon ihres Titels wegen zum Erfolg verdammt sein. Die letzte gemeinsame Band-Tat bestand dann aus der Veröffentlichung eines kompletten Songbooks, welches Texte und Tabulaturen aller 262 Ärzte-Songs enthält. Und während Rod und Bela B. sich zum Relaxen zurückziehen, kümmert sich Farin Urlaub ganz im Widerspruch zu seinem Pseudonym um jenes Material, das es nicht auf die letzte Ärzte-Veröffentlichung geschafft hatte. Unter dem Titel Am Ende der Sonne bringt er diese Sachen 2005 im Alleingang heraus. 2007 erschien das Album Jazz ist anders mit großen Songs wie Junge und Lasse Redn oder Lied Vom Scheitern.




