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Obertongesang
Ich bin zwei Stimmen

 

Obertongesang wirkt

Jeder Ton lässt Obertöne mitschwingen. Die Volksmusik Zentralasiens hat mit diesem Wissen eine Kunst des Obertonsingens entwickelt. Aktuell ist Sainkho wohl die bekannteste Stimme. Auch in buddhistischen Klöstern wird obertonreich gesungen, z.B. von den Gyume Tibetan Monks. Ein spiritueller Komponist wie Karlheinz Stockhausen musste das ja irgendwann aufgreifen.

Obertongesang ist, wenn Eine oder Einer singt - und man doch zwei hört. Denn bei der speziellen Technik werden einzelne Obertöne einer gesungenen Melodie so verstärkt, dass sie den Grundton übertönen können. So singt man seit Jahrhunderten in Zentralasien: in der Mongolei, in Tuva und in Tibet. Michael Vetter hat mit Om - Die Obertonschule [1996] eine CD veröffentlicht, auf der man die notwendigen Techniken erlernen kann. Eine hat das ganz bestimmt nicht mehr nötig: Sainkho Namtchylak zählt zu den größten Stimmen des Obertonsingens. Sie hat die schamanistischen Gesänge der Mongolei erlernt und führt sie durch neue Kontexte wie Jazz und Ambient.

Folkloristisch dagegen geben sich Huun-Huur-Tu. Sie kommen aus der autonomen Republik Tuva, die nach dem Ende der UdSSR wegen ihrer Gesangstraditionen auffällig wurde. Huun-Hur-Tu begleiten die Obertonstimmen mit den Instrumenten ihrer nomadischen Vorfahren. Inzwischen sind sie bereits mit Ry Cooder aufgetreten.

Ekstase und Meditation

Nur ein Jahr nach ihrer Gründung trennte sich 1992 Albert Kuvezin von Huun-Hur-Tu und gründete die Folk-Rock Band Yat-Kha, die inzwischen mit ihrem wodka-seligen Oberton-Radau viele Freunde und Freundinnen gefunden hat. Von den Obertongesangswettbewerben in Tuva und der Freundschaft zwischen dem Blues Sänger Paul Pena und dem Oberton Meister Kongar-ol Ondar handelt der zigfach ausgezeichnete Dokumentarfilm "Genghis Blues" des US-amerikanischen Regisseurs Roko Belic.

Auch südwestlich von Tuva sprudeln die Obertöne. Die Gesänge in den buddhistischen Klöstern Tibets nutzen Obertöne ebenso wie die Schamanen im zentralen Asien wegen der meditativen Wirkung. Dokumentiert sind die gewaltig tiefen Klangräume auf Alben wie den Tantric Harmonics der Gyume Tibetan Monks.

Ankunft in Mitteleuropa

Einer der ersten Importeure des Obertongesangs in westliche Kulturwelten ist Karlheinz Stockhausen. Bereits 1968 feierte Stimmung Weltpremiere, eine Komposition für Obertongesang. Später folgten Jazzer wie Jan Garbarek mit dem Hilliard Ensemble oder Experiment-Eklektizisten wie das Schweizer Duo Stimmhorn. Um die Jahrtausendwende zeichnet sich in Mitteleuropa der Trend ab, den Obertongesang bei therapeutischen Maßnahmen ein zu setzen. Das lockert, wenn man alleine singt und zwei hört.

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Gregor Theelen, Joska Soos, Igor Koshkendey, Sarah Hopkins, Michael Vetter

Diese Alben besitzen Schlüsselqualitäten:

Singcircle u.a., Komposition Karlheinz Stockhausen: Stimmung [1990]

Garbarek/ Hilliard Ensemble: Officicum [1994]

Gyume Tibetan Monks: Tantric Harmonics [1994]

Huun-Huur-Tu: If I Had Been Born An Eagle [1997]

Sainkho: Naked Spirit [1998]

Kongar-Ol Ondar & Paul Pena: Genghis Blues Soundtrack [2000]

Yat-Kha: Aldyn Dashka [2001]

V.A:: Heimatklänge OST [2007]